"PBX-Killer"

Microsoft kündigt neuen Office Communications Server an

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Wie Gurdeep Singh Pall, Corporate Vice President der Microsoft Office Communications Group, bekannt gab, kann der Office Communications Server "14" auch die bestehende TK-Anlage ersetzen.

Die für die zweite Jahreshälfte angekündigte neue Version des Office Communications Servers (OCS) - Codename 14 - soll es Unternehmen ermöglichen, ihre Kommunikation einfacher, offener und kosteneffizienter über ihre Office-Umgebung zu gestalten. Dazu bietet sie unter anderem eine tiefere Integration in Microsoft SharePoint 2010 und Microsoft Exchange 2010 sowie erweitere Spracherkennungsfähigkeiten.

Die im OCS 2007 R2 unterstützte Funktion SIP-Trunking war erst der Anfang - OCS 14 macht die PBX komplett obsolet.
Die im OCS 2007 R2 unterstützte Funktion SIP-Trunking war erst der Anfang - OCS 14 macht die PBX komplett obsolet.
Foto: Malte Jeschke

Wie bereits früher durchgesickert war, haben die Nutzer erstmals aber auch die Möglichkeit, komplett auf eine herkömmliche TK-Anlage zu verzichten - falls dies gewünscht wird. "Wenn Sie Ihre TK-Anlage nicht rauswerfen wollen, arbeitet das System Hand in Hand mit den bei Ihnen vorhandenen Kommunikationssystemen", erklärte Microsoft-Manager Pall in seiner Keynote auf der Voicecon 2010. Bei einem Wechsel sei das Produkt jedoch in der Lage, die komplette Last der PBX zu übernehmen.

Pall geht davon aus, dass in den nächsten drei Jahren mehr als 75 Prozent der neuen Geschäftsanwendungen Unified Communications-Funktionen enthalten werden. In Unternehmen werden dann über die Hälfte der VoIP-Anrufe mehr als nur Sprache übertragen.

Branchenkenner stimmen grundsätzlich zu, dass Unternehmen und private Nutzer allmählich von der herkömmlichen Sprachtelefonie abkommen und verstärkt Collaboration- und Web-2.0-Tools nutzen. Ganz so schnell wie von Pall gedacht soll der Übergang aber dann doch nicht vonstatten gehen. "Es ist wahr, dass Menschen auch andere Formen von Kommunikation nutzen, aber der Wechsel weg von der Sprache wird nicht so schnell geschehen, wie Microsoft sich das vorstellt", erklärt Yankee-Analyst Zeus Kerravala. Andererseits verdiene Microsoft kein Geld mit Telefonen.

Mit der Option, mit der neuen OCS-Version die PBX komplett ersetzen zu können, sorgt Microsoft bei kooperierenden TK-Ausrüstern wohl nicht unbedingt gerade für Begeisterung. Da die Company jedoch über die Software auch festlegen kann, welche Hardware unterstützt wird, müssen sie jedoch gute Miene zum bösen Spiel machen. Anfang der Woche haben bereits zwölf Partner von Microsoft, darunter auch Polycom und HP, neue Produkte und Services angekündigt, die den Office Communications Server 14 erweitern. Dazu zählen günstige IP-Telefone, Filiallösungen und Verwaltungssoftware.