Auslaufmodell

Microsoft dreht Windows-Mobile-Nutzern langsam den Hahn ab

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Im Zuge des Wechsels auf das neue Windows Phone 7 macht Microsoft die Website von Marketplace for Mobile und den Synchronisationsdienst My Phone dicht.
Foto: Microsoft

Nachdem Windows Mobile 6.x nicht tot zu kriegen ist, scheint Microsoft nun etwas nachzuhelfen. So könnte man zumindest eine E-Mail interpretieren, die Nutzer des mobilen Betriebssystems in den vergangenen Tagen erhalten haben. Das Unternehmen informierte sie in dem Schreiben darüber, dass der Microsoft My Phone Dienst - dieser wurde erst vor zwei Jahren in Zusammenhang mit Windows Mobile 6.5 vorgestellt - am 7. August abgeschaltet wird. Ab diesem Zeitpunkt werden dort abgelegte Benutzerkontakte, Kalendereinträge, Textnachrichten und Fotos vom My Phone-Dienst auf Windows Live SkyDrive umgezogen, wo Nutzer über ihre Live ID auf die Inhalte zugreifen können.

Nicht migriert werden allerdings Inhalte wie Videos, Musiktitel, Dokumente und Browserfavoriten. Sie stehen jedoch noch bis zum 6. Oktober auf der My-Phone-Website zur Verfügung. Lassen sich archivierte Inhalte nicht ohne weiteres auf einen lokalen PC übertragen, können die Benutzer bis zum 5. Oktober 2012 über den Microsoft-Support physische Medien (CD oder DVD-ROM) anfordern, die alle in ihrem My-Phone-Konto gespeicherten Informationen enthalten.

Bereits ab dem 15. Juli ist außerdem der Windows Marketplace for Mobile - Microsofts App Store-Pendant für Windows-Mobile-Anwendungen - nicht mehr als Website verfügbar. Nutzer können demnach über den Browser dort keine Apps für Windows-Mobile-Geräte suchen, erwerben oder laden. Auf den Smartphones ist der Marketplace aber noch als Dienst erhältlich und voll nutzbar. Schwerwiegender ist jedoch, dass Entwickler ab Mitte Juli keine neuen Windows-Mobile-Apps in den Marktplatz einstellen dürfen. Auch die Aktualisierung dort angebotener Programme (Updates, Preise, Metadaten) wurde ihnen untersagt. Immerhin: Ähnlich wie wie Android oder Blackberry OS sind die Anwender nicht unbedingt auf einen App Store angewiesen - sie können die Apps auch direkt vom Anbieter oder alternativen Marktplätzen erwerben und laden.

Auch wenn aktuelle Studien dem Nachfolgemodell Windows Phone einen glorreiche Zukunft vorhersagen, IDC rechnet bis 2015 mit einem Marktanteil von 20,3 Prozent: Aktuell hat es das neue Plattform noch nicht einmal geschafft, aus dem Schatten von Windows Mobile herauszutreten. So wurden laut Gartner im ersten Quartal 2011 weltweit nur 16 Millionen Geräte mit Windows Phone 7 verkauft, dagegen über zwei Millionen Devices mit dem alten Betriebssystem.