Karriereratgeber

Mehr Praxiserfahrung = mehr Gehalt?

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Wie kann ein Informatiker, der im Studium ständig gearbeitet hat, seine Erfahrung zu Geld machen?

Trotz Praktika werden Hochschulabsolventen oft als Berufsanfänger eingestuft. Im Online-Karriere-Ratgeber fragt ein IT-Student kurz vor dem Master-Abschluss, wie er seine umfangreiche Berufserfahrung in Bewerbungen darstellen soll: "Ich war permanent als studentischer Mitarbeiter bei Software- und Beratungsfirmen (davon zwei Dax-Unternehmen) tätig und habe verantwortungsvolle Aufgaben übernommen. Da ich zudem eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert habe, arbeite ich quasi seit acht Jahren in Teilzeit. Kann ich diese Erfahrung als ‚relevant` deklarieren und deshalb ein leicht überdurchschnittliches Einstiegsgehalt verlangen?"

Foto: Birgit Zimmer-Wagner, BewerberConsult

Birgit Zimmer-Wagner, Bewerber-Consult: "Ihr Werdegang zeigt ein hohes Maß an Engagement. Ihre Praxiserfahrung ist wertvoll, Sie sollten sie hervorheben. Am besten gelingt das durch Beispiele. Sie haben sicher Zeugnisse, aus denen Ihre Erfolge und ihre Ergebnisse ablesbar sind. Benennen Sie Ihre Erfolge: ‚In Projekt xy konnte ich ... lernen und ... in der Praxis umsetzen.` Oder: ‚Alle Arbeitgeber bestätigen mir überdurchschnittliches Engagement und loben meine fachlichen Fähigkeiten im Bereich xy.`

Die Zauberformel heißt: konkretisieren und individualisieren. Bewerben Sie sich bei einem Mittelständler, müssen Sie Ihre Erfahrung bei einem Dax-Unternehmen nicht so betonen wie bei einem Großunternehmen. Manche kritischen Personaler - meist welche, die keinen so geradlinigen Werdegang haben - werden Sie eventuell als ‚Turboprop` sehen und dies eher negativ interpretieren nach dem Motto: ‚So einen Durchstarter wollen wir nicht, der will zu viel.`

Ob sie ein höheres Einstiegsgehalt erzielen können, hängt vom Gehaltsgefüge der Firma ab. Bewerben Sie sich auf ein Traineeprogramm, steht die Vergütung fest, der ‚Mehrwert` für Sie könnte in einer Verkürzung des Programms liegen. Bei einem Direkteinstieg können Sie mit einem etwas höheren Gehalt als Nur-Studenten rechnen.

Eigenlob stinkt nicht

Auch hier kann es sinnvoll sein, nicht zu sehr auf das Anfangsgehalt zu schielen, sondern auch auf die Entwicklungschancen zu achten. Wenn Sie Abstriche machen müssen, wäre eine Vereinbarung über eine Gehaltsanpassung nach der Probezeit möglich. Bei Ihrem Weg erwartet jede Firma einen selbstbewussten Auftritt, Eigenlob stinkt nicht, wenn Sie Ihre Erfahrung konkret belegen können.