Fördermittellandschaft 2016 in Deutschland

Mehr Geld für innovative Projekte

Director und Prokuristin bei der förderbar GmbH
Nur wenige mittelständische Unternehmen nutzen öffentliche Fördermittel, um ihre innovativen IT-Projekte mitfinanzieren zu lassen. Dabei leisten sich Deutschlands wirtschaftsfördernde Institutionen wie etwa das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine vergleichsweise üppig bestückte Fördermittellandschaft. Doch wann ist ein Projekt „innovativ“ und wer wird gefördert? Ein Überblick.

Zahlreiche Förderprogramme - ausgeschrieben auf Länder-, Bundes- oder EU-Ebene - unterstützen innovative IT-Projekte finanziell. Das gilt keineswegs nur für Start-ups. Programme wie beispielsweise das vom Wirtschaftsministerium (BMWi) ausgelobte "Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)" oder das europaweite Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation "Horizon 2020" zielen darauf ab, auch den bereits etablierten Mittelstand zu fördern. Die fördernden Institutionen definieren jeweils Richtlinien, in denen festgelegt wird, welche Art von Projekten begünstigt werden sollen. Wichtigstes Kriterium zumeist: der innovative Charakter.

Was genau ist eigentlich eine Innovation?

Zwar gibt es keine Standard-Definition für den Begriff Innovation. Doch in einigen Punkten sind sich die meisten Förder-Institutionen einig: So ist ein Projekt dann innovativ, wenn etwas geschaffen wird, dass eindeutig mehr bietet, als das, was es schon gibt. Sprich: etwas Neues, noch nie Dagewesenes, das den Stand der Wissenschaft und Technik erhöht und die Marktreife nicht in der nahen Zukunft erreichen wird. Denn die Institutionen wollen mit ihrer Unterstützung das Risiko des Unternehmers bei einem solchen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mindern und die Unternehmen zu mehr Wagemut ermuntern.

Der Innovationsprozess in Unternehmen wird auch im Sinne der Förderinstitutionen in folgende drei wichtige Phasen gegliedert:

  • Zu Beginn bedarf es der industriellen Forschung,

  • danach wird experimentell entwickelt und

  • es folgt schließlich die Markteinführung des Produktes.

Je früher also ein Unternehmen im Innovationsprozess die Förderung beantragt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dem Projekt der innovative Charakter bestätigt wird. Oft wird die Forschung bei der Beurteilung der Förderfähigkeit höher gewichtet und erhält höhere Fördersummen.

Dass ein Vorhaben innovativ ist, muss ein Unternehmen bei der Förderantragstellung glaubhaft beschreiben. Bei Software-Entwicklungs-Projekten ist dies oft gar nicht so einfach, beruhen sie doch häufig auf basierenden Produkten und sind eher Weiterentwicklungen. Trotzdem lohnt es sich, die Projekte daraufhin zu prüfen.

Innovativ sein allein genügt nicht

In ihren Richtlinien definieren die Förderinstitutionen zudem immer noch weitere Voraussetzungen, die Unternehmen erfüllen sollen, um Fördermittel erhalten zu können. So müssen Bewerber zum Beispiel nachweisen, dass die entsprechenden Ressourcen für das Projekt im Unternehmen angesiedelt sind. Im Klartext bedeutet das: Mitarbeiter, die ein Forschungsprojekt betreuen, sollten besser einen wissenschaftlich akademischen Hintergrund haben und fest angestellt sein. Denn es ist ja das Ziel der Fördermittel, ein Unternehmen bei der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen und der Entwicklung neuer Produkte oder Verfahren zu unterstützen und keine externen Spezialisten oder Drittanbieter.

Förderprogramme unterstützen innovative Projekte zwar, sie finanzieren sie aber selten zu 100 Prozent. Unternehmen müssen deshalb für den Anteil am Projekt, der nicht gefördert wird, eine entsprechend solide andere Finanzierung vorweisen. Bestenfalls erzielt das Unternehmen bereits eigene Umsätze, aber auch eine Fremdfinanzierung durch einen Bankkredit oder eine Eigenkapitalfinanzierung durch einen Investor zählen. Jedes Programm legt darüber hinaus weitere Nachweispflichten auf. Der Blick in die Richtlinien sollte deshalb die erste Maßnahme auf dem Weg zu Fördermitteln sein.

Förderfähigkeit vorab checken lassen

Der Aufwand, um öffentliche Fördermittel zu erhalten, ist hoch. Denn mit der Vorbereitung - dem Zusammentragen aller benötigten Unterlagen und dem Ausfüllen der vielseitigen Anträge - ist es nicht getan. Das geförderte Projekt muss während des gesamten Prozesses im Sinne der Richtlinien begleitet werden. Meist müssen Meilensteine und Arbeitsstunden dokumentiert, Ausgaben entsprechend der Vorgaben abgerechnet und zahlreiche kleine Randbedingungen wie beispielsweise der Hinweis auf die erhaltenen Fördermittel in bestimmten Unternehmens-Publikationen oder bei Messeauftritten erfüllt werden. Idealerweise arbeiten hierbei ein technischer Entwicklungsleiter und ein Finanzexperte Hand in Hand - beide Ressourcen werden während der Förderperiode über mehrere Monate hinweg dafür zu etwa einem Drittel gebraucht.

Lohnt sich dieser Aufwand dann noch? Auf jeden Fall. Während Konzerne sich Wirtschaftsberater ins Haus holen, sind kleine und mittelständische Firmen bei Fördermittelberatungen besser aufgehoben. Diese arbeiten meist auf Provisionsbasis: Nur wenn das Fördergeld zugesprochen wurde, wird ein Honorar fällig. Dafür übernehmen die Experten von der Unterstützung bei der Beantragung bis hin zur Administration zahlreiche zeitintensive Arbeiten. Einige Beratungen haben zudem einen Fördermittel-Check im Angebot, mit dem sie vorab prüfen, ob das Projekt überhaupt eine Chance auf Fördermittel hat. Unternehmen sollten bei solchen Angeboten jedoch darauf achten, dass der Vorab-Check unverbindlich und kostenlos ist, aber trotzdem valide Ergebnisse liefert.

Wichtige Förderprogramme im Überblick

Die Förderlandschaft, die deutsche Unternehmen nutzen können, ist komplex. Grundsätzlich stehen Förderprogramme auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene zur Verfügung, wobei sich vor allem die Landesförderungen oft aus EU-Mitteln wie zum Beispiel dem Strukturfond EFRE speisen. Die aktuelle EFRE-Periode läuft noch bis 2020. Die Chancen stehen also gut, jetzt Fördermittel zu erhalten. Einige wichtige Förderprogramme im Überblick:

  • Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM): Das branchen- und technologieoffene bundesweite Förderprogramm ZIM wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im vergangenen Jahr neu aufgelegt. ZIM adressiert innovative kleine und mittelständische Unternehmen und versteht sich als marktorientierte Technologieförderung für Einzel-, Kooperations- und Netzwerkprojekte. Die Förderung erfolgt in Form eines Zuschusses und variiert zum Beispiel bei Einzelprojekten in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße und dem Standort zwischen 25 und 45 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten von bis zu 380.000 Euro.

  • Horizon 2020: Das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation zielt darauf ab, EU-weit eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen sowie gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Einer der Schwerpunkte ist die industrielle Forschung speziell in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Unter bestimmten Umständen kann die Förderquote bis zu 100 Prozent betragen.

  • KMU innovativ: Im Rahmen des Fachprogramms IKT 2020 unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) risikoreiche industrielle Forschungs- und vorwettbewerbliche Entwicklungsvorhaben kleiner und mittlerer Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Gefördert werden Projekte in den Bereichen Elektroniksysteme, Elektromobilität und Entwurfsautomatisierung, Softwaresysteme und Wissensverarbeitung, Kommunikationstechnik und Netze (Funk- und Festnetze) sowie technische Systeme für den Menschen (Schwerpunkt Mikrosystemtechnik). Die Förderung erfolgt in Form eines Zuschusses und erreicht in der Regel bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten.

  • Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien (Pro FIT)Bei der Investitionsbank Berlin (IBB) angesiedelt, fördert Pro FIT Forschung und Entwicklung und zudem dazugehörige Markteinführungsaktivitäten in den technologischen Schwerpunktbranchen, zum Beispiel Informations- und Kommunikationstechnologie, Biotechnologie, Medizintechnik, optische Technologien und Verkehrstechnologie. Es zielt ebenfalls auf kleine und mittelständische Unternehmen ab und gewährt Zuschüsse sowie zinsverbilligte Darlehen. (ba)