Ernüchternde Studienergebnisse

Massive Zweifel am Data Warehouse

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Jedes zweite Projekt scheitert, Ziele werden verfehlt. Eine BARC-Studie zeigt alle Mängel auf. Die Analysten geben Tipps für erfolgreiche Warehouse-Projekte.
Die größten Herausforderungen im Data Warehouse: So sehen es die Anwender.
Die größten Herausforderungen im Data Warehouse: So sehen es die Anwender.
Foto: BARC

Fast jedes Unternehmen hierzulande bereitet Daten in einem Data Warehouse auf. 86 Prozent der Firmen tun das laut einer aktuellen Befragung des Business Application Research Centers (BARC) unter 200 Entscheidungsträgern. Data Warehouses sind also weit verbreitet. Aber lohnt sich ihr Einsatz? Die weiteren Ergebnisse der Studie klingen derart ernüchternd, dass massive Zweifel berechtigt erscheinen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass offensichtlich jedes zweite Projekt scheitert. Viele Firmen erreichen ihre Ziele schlichtweg nicht. Primäres Ziel ist mit weitem Abstand die Stärkung des Vertrauens in die Daten. 82 Prozent der Anwender bezeichnen das als äußerst wichtig. Aber nur 51 Prozent geben an, dieses Ziel mit Hilfe eines Data Warehouses erreicht oder sogar übertroffen zu sein.

51 Prozent – das klingt durchwachsen, wenn nicht schlichtweg schlecht. Dabei ist es laut Studie der beste Zielerreichungswert überhaupt. Lediglich etwa zwei Fünftel erfreuen sich dank Data Warehouse an der gewünschten Unterstützung von Planungsprozessen, einem ausreichend schnellen Berichtswesen und einer flexiblen Berichterstellung für Fachanwender. Nur 36 Prozent erreichen die Ziele höhere Kundenzufriedenheit und Steuerung operativer Prozesse. Dabei werden alle Ziele außer dem Vertrauen in die Daten von maximal einem Viertel der Befragten überhaupt als solche formuliert.

Zielerreichung ist absolut unbefriedigend

„Die Zielerreichung von Data-Warehouse-Projekten kann absolut nicht als befriedigend bezeichnet werden“, kommentiert BARC-Geschäftsführer Carsten Bange. „Auch die genannten Herausforderungen hinsichtlich Datenqualität, Agilität, Integration wichtiger Fachbereiche oder übergreifender Auswertbarkeit werden Anwender weiter am Konzept hin und wieder zweifeln lassen und Betreibern große Kopfschmerzen bereiten.“

Völlig vernichtend fällt das BARC-Fazit indes nicht aus. „Trotz aller Mängel und Herausforderungen von Data-Warehouse-Systemen schneiden die Alternativen, wie informelle Organisation von Daten oder die Nutzung der operativen Systeme in vielen Aspekten schlechter ab“, so Bange weiter.

Warehouse-Alternativen noch schlechter

Fast alle Befragten betrachten das Data Warehouse als wichtig oder sogar kritisch für ihr Unternehmen. Neben oder anstatt eines Data Warehouse nutzen 52 Prozent informelle Datenbestände, ein Viertel hat unabhängige Data Marts aufgebaut. 92 Prozent verwenden klassische Datenbanken. Die Hälfte der Unternehmen setzt analyseoptimierte Datenbanksysteme ein, wobei zwei Fünftel einen Mischansatz aus klassisch und analyseorientierten Datenbanken bevorzugen. Nur 8 Prozent arbeiten ausschließlich mit Analytischen Datenbanken.

Mehr als die Hälfte der Befragten aus den IT-Abteilungen gibt an, dass das Datenvolumen ihrer Nutzdaten im Data Warehouse mehr als ein Terabyte beträgt. 96 Prozent der Befragten sagen, dass die Daten für Berichtswesen und Analyse gestiegen sind. In über 70 Prozent der Unternehmen haben weniger als 20 Prozent der Mitarbeiter Zugriff auf die Daten aus dem Data Warehouse. Es gibt aber auch eine kleine Gruppe von Unternehmen, die mit mehr als 75 Prozent der Mitarbeiter intensiv Data Warehousing betreibt. Eine Zunahme der Nutzerzahlen wird erwartet – insbesondere in Unternehmen der IT-Branche, der verarbeitenden Industrie sowie in Chemie- und Pharmaunternehmen.