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Mac-Pionier Jef Raskin verstorben

28.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Jef Raskin, ein Computer-Interface-Experte, der Apples bahnbrechenden "Macintosh" konzipierte, den Hersteller aber bereits vor dessen Markteinführung verließ, ist verstorben. Er wurde 61 Jahre alt. Raskin starb nach Angaben seiner Familie Samstagnacht in seinem Haus in Pacifica. Im vergangenen Dezember hatte er Freunden erzählt, man habe bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert.

Raskin war 1978 als einunddreißigster Mitarbeiter zu Apple gestoßen und übernahm dort die Sparte für Literatur. 1979 hatte er dann eine ganz andere Idee: Ein Computer zu einem erschwinglichen Preis, der auf Verbraucher abzielen und extrem einfach zu benutzen sein sollte. Ein kleines Team unter seiner Leitung entwickelte dann dieses Konzept weiter. "Seine Rolle beim Macintosh war Urheber des Projekts; ohne ihn gäbe es den Mac also nicht", erklärte Andy Hertzfeld, der ebenfalls zu dem kleinen Projekt-Team gehörte.

Raskin leitete das Macintosh-Projekt (benannt nach seiner Lieblingsapfelsorte) bis zum Sommer 1981, in dem er sich mit Apple-Gründer Steve Jobs überwarf. Ein Jahr später verließ er das Unternehmen vollends. "Was ich Jef besonders anrechne, ist dass er für die Ursprünge des Macintosh ein außergewöhnliches Team aus Leuten zusammengestellt hat, die nicht unbedingt die nötigen Zeugnisse, dafür aber alles andere mitbrachten, um etwas Großartiges zu machen", erklärte Hertzfeld.

Als der Mac 1984 vorgestellt wurde, veränderte er die PC-Industrie radikal. Die Benutzer waren nicht länger gezwungen, kryptische Kommandos einzugeben. Stattdessen arbeiteten sie auf einer dem physischen Schreibtisch nachempfundenen Oberfläche mit Ordnern und Aktenschränken. Dokumente ließen sich von einem Bereich in den anderen verschieben.

Allerdings war der endgültige Mac bei seiner Markteinführung mit 2495 Dollar alles andere als erschwinglich, und die Verkäufe nach den ersten Monaten entsprechend enttäuschend. Aber die Konzepte hinter seiner Benutzerschnittstelle fanden ihren Weg rasch in andere Software, darunter auch Microsofts Windows.

Nach seinem Weggang aus Cupertino gründete Jef Raskin seine eigene Firma Information Appliance und entwarf einen weiteren Computer, der seine Ideen verkörperte. Er ist außerdem Autor des im Jahr 2000 veröffentlichten Buches "The Humane Interface". Die deutsche Übersetzung "Das intelligente Interface. Neue Ansätze für die Entwicklung interaktiver Benutzerschnittstellen" war im April 2001 bei Addison-Wesley erschienen (inzwischen aber leider vergriffen).

Neben seiner Arbeit in der Computerbranche betätigte sich Jef Raskin auch noch auf anderen Gebieten. Beispielsweise dirigierte er die San Francisco Chamber Opera Society und spielte selbst drei Instrumente. Seine Kunst wurde im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt, außerdem erhielt er ein Patent im Bereich der Konstruktion von Flugzeugtragflächen. Überdies war er laut Freunden ein ausgezeichneter Bogen- und Zielschütze und gelegentlicher Rennfahrer.

"Er glaubte daran, dass man auch Spaß haben muss", erklärte Dave Burstein, der an einem Film über Raskins Leben arbeitet. "Die Leute, die bei Apple mit ihm gearbeitet haben, erzählen, wie wichtig Spielzeug, Spiele und der Sinn für Vergnügen waren, die er forderte." (tc)