Lizenzen bremsen Virtualisierung aus

Ludger Schmitz ist freiberuflicher IT-Journalist in Kelheim. Er ist spezialisiert auf Open Source und neue Open-Initiativen.
Bevor ein Anwender ein Virtualisierungsprojekt startet, sollte er sich seine Softwarelizenzen genau anschauen. Manchmal kann der Fortschritt nämlich teuer werden.

Hier lesen Sie ...

  • wie bei prozessorabhängigen Softwarelizenzen in virtuellen Umgebungen abgerechnet wird;

  • womit die Softwarehäuser ihre Modelle verteidigen;

  • welche Alternativen in der Diskussion sind;

  • was gegen leistungsorientierte Abrechnungsverfahren spricht.

Virtualisierung ist ein äußerst beliebtes Schlagwort im Marketing der Soft- und Hardwareanbieter. Den Applikationen jederzeit genauso viel Rechenpower zur Verfügung zu stellen, wie sie gerade benötigen, soll die Auslastung der Server verbessern und die Kosten der IT senken. Doch das könnte sich als ein hohles Versprechen erweisen. "Jegliche Einsparungen, die sich Unternehmen durch die Reduzierung von Hardware- und Personalaufwand versprechen, werden mehr als ausgeglichen durch höhere Softwarekosten", zeigt sich Alexa Bona, Forschungsdirektorin bei Gartner, pessimistisch. Das Problem sind die Lizenzmodelle, in denen die Zahl der Prozessoren in einem virtuellen System den Preis für die Software bestimmt.

Maximal abkassieren

Die Höhe der Lizenzgebühren nach der CPU-Zahl zu berechnen ist in der IT-Branche weit verbreitet. Wie weit, zeigt ein beredtes Beispiel: Die Firma VMware hat das zuerst in der Mainframe-Welt entwickelte Konzept der Virtualisierung auf die Intel-Architektur übertragen. Und das Unternehmen berechnet die Nutzungsgebühren für seine Software nach der Zahl der Prozessoren, die sie virtualisiert. Wenn eine virtuelle Umgebung 36 Prozessoren umfasst, muss für alle gezahlt werden. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise sechs Prozessoren das ganze Jahr hindurch nie aktiviert und sechs weitere CPUs nur an einigen Tagen benötigt wurden.

Nicht anders verhalten sich die Anbieter auf der nahe liegenden Ebene der Betriebssysteme. Red Hat und Novell verlangen für jeden physikalischen Prozessor in einem virtuellen System für ihre Linux-Varianten Lizenzen. Nun steht es jedem Anwender frei, Linux zu kopieren, beispielsweise ein Image auf weitere Maschinen zu übertragen. Aber Support und Services gibt es für kopierte Linux-Images nicht.