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LinuxWorld: Open-Source-Guru: IBM, HP und Red Hat gefährden Linux

07.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die größte Bedrohung für das quelloffene Betriebssystem Linux stellen nicht Konkurrenten wie Microsoft oder Firmen wie SCO dar, sondern bekennende Unterstützer wie IBM, Red Hat oder Hewlett-Packard (HP), sagte der ehemalige HP-Angestellte und Mitbegründer der OSI (Open Source Initiative), Bruce Perens, auf der Fachmesse LinuxWorld in San Francisco.

Das Lizenzierungsbegehren von SCO sei zu vernachlässigen im Vergleich zu den Einschränkungen, die Open-Source-Entwicklern durch Softwarepatente drohen. Perens verwies auf das laufende Gesetzgebungsverfahren des europäischen Parlaments, das darauf hinausläuft, im Gebiet der EU die Patentierung von Software zuzulassen. In den USA ist das bereits seit rund 20 Jahren möglich.

Damit bestehe die Gefahr, dass Entwickler verklagt werden können, die Standards wie zum Beispiel von der IETF (Internet Engineering Task Force) definierte Protokolle in quelloffene Anwendungen implementieren. Um das zu verhindern, sollen Unternehmen mit großen Patent-Portfolios wie IBM und HP schriftlich zusagen, auf Klagen gegen Open-Source-Entwickler zu verzichten, fordert Perens. Der Aktivist wünscht sich außerdem einen Dialog mit den Patentinhabern, in dem diese Vorschläge unterbreiten sollen, auf welche Weise rechtliche Unwägbarkeiten bei der Entwicklung quelloffener Projekte aus dem Weg geräumt werden könnten.

Irving Wladawsky-Berger, Chef der On-Demand-Sparte von IBM, zeigte sich angesichts Perens Äußerungen überrascht. Die Frage, Patente in Bezug auf Linux einzuklagen, habe sich für IBM nie gestellt. IBMs bisheriges Engagement und die Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem W3C (World Wide Web Consortium) sollte Entwicklern Versicherung genug sein, so der IBM-Manager. Es spreche jedoch nichts dagegen, mit Perens in Kontakt zu treten, um das Thema zu diskutieren.

Red Hat steht vor allem wegen den Support-Bedingungen für die Server-Distribution "Advanced Server" in der Kritik des Open-Source-Gurus. Sie binde Anwender an die Dienste des Anbieters. Diese sollten aber die Möglichkeit haben, auch Unterstützung von Drittherstellern einzuholen. (lex)