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Lindows: PR mit geschädigten Microsoft-Kunden

30.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dem Linux-Startup Lindows ist jeder Anlass recht, um auf sich aufmerksam zu machen. Im aktuellen Fall bietet die Company aus San Diego kalifornischen Microsoft-Anwendern an, ihren aus einer außergerichtlichen Einigung resultierenden Anspruch auf Gutscheine direkt über die Website MsfreePC.com geltend zu machen. Die Entschädigung könnten sie sofort für Windows-Konkurrenzprodukte wie LindowsOS oder Suns Staroffice ausgeben. Als besonderen Anreiz winkt den ersten 10.000 Kunden, die einen Antrag ausfüllen, ein kostenloser PC.

Um eine Sammelklage von kalifornischen Verbrauchern wegen unlauterem Wettbewerb und Missbrauch seiner Monopolstellung zum Abschluss zu bringen, hatte der Redmonder Softwareriese sich Anfang des Jahres bereit erklärt, 1,1 Milliarden Dollar in Form von Gutscheinen auszugeben. Bezugsberechtigt sind insgesamt etwa 13 Millionen kalifornische Privatkunden und Unternehmen, die zwischen dem 18. Februar 1995 und dem 15. Dezember 2001 Microsoft-Software erworben haben. Mit den Gutscheinen im Wert von fünf bis 29 Dollar können sie Hard- und Software von beliebigen Herstellern erwerben (Computerwoche online berichtete).

Augenscheinlich handelt es sich bei der Lindows-Offerte um einen reinen Marketing-Gag: Obwohl Lindows auf der Website sogar einen "Instant Settlement Wizard" anbietet, können Schadensersatzansprüche bislang noch nicht angemeldet werden. Wie die Microsoft-Anwälte weiter bemängeln, fehlt den Anträgen eine rechtsgültige Unterschrift, zudem enthielten sie keine Erklärung über die Richtigkeit der Angaben und würden nicht vom Anwender direkt eingereicht. Obwohl Microsoft den Linux-Distributor wegen der irreführenden Werbung für sein Betriebssystem LindowsOS und Suns StarOffice zur Abschaltung der Werbe-Website MSfreePC.com aufgefordert hat, weigert sich Lindows-Chef Michael Robertson.

In einem offenen Brief an Bill Gates schreibt Robertson, Microsoft habe keinerlei Bedenken gegenüber elektronischer Signaturen, wenn es um den eigenen Profit gehe, etwa bei MSN, Expedia, oder .Net. Allein, um Verbraucher abzuschrecken, einen Teil der ihnen zustehenden Entschädigung einzufordern, werde Gates plötzlich zum Technologiegegner und bestehe auf den altmodischen Postweg. Lindows werde wenn nötig auch vor Gericht darum kämpfen, den Service von MsfreePC.com aufrecht zu erhalten. Mit dem Dienst erhielten die geschädigten Kunden unmittelbaren Nutzen. Gleichzeitig stelle seine Company mit der Aktion sicher, dass Microsoft auch einen Großteil der versprochenen Summe auszahlen müsse. (mb)