CES Las Vegas: So sehen die Autos der Zukunft aus

Künftig lenkt und bremst der Computer

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Autos, vor allem selbstfahrende, stahlen auf der diesjährigen Technikmesse CES in Las Vegas den klassischen Gadgets wie Smartphones und Handys die Show. Erste autonome Systeme könnten noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.
Autonome, selbstfahrende Autos waren ein Highlight der diesjährigen CES.
Autonome, selbstfahrende Autos waren ein Highlight der diesjährigen CES.
Foto: Mercedes-Benz

Detroit Motor Show, Genfer Autosalon, Pariser Salon - das alles waren einmal internationale Leitmessen, auf denen nicht nur über die Zukunft des Automobils diskutiert wurde, sondern diese auch gezeigt wurde. Mittlerweile laufen Technikmessen wie die CES in Las Vegas oder Anfang März der Mobile World Congress in Barcelona den klassischen Auto-Events den Rang ab. So werden zwar auf der Detroit Motor Show, die nur wenige Tage nach der CES stattfindet, etliche neue Modelle ihre Weltpremiere feiern, doch über die strategischen Zukunftsfragen der Autoentwicklung sprach man im Spielerparadies Las Vegas. So ist unter Herstellern und Analysten unstrittig, dass das "next big thing" im Autobau das "autonome Fahren" ist. Kaum ein Hersteller, der hierzu nicht in Las Vegas entsprechende Studien oder Visionen präsentierte.

Autonomes Fahren

Zwar dürfte es bis zur Realisierung des vollautomatisierten Fahrens noch einige Zeit dauern, doch das semi-autonome Fahren steht kurz vor der Markteinführung. So zeigte etwa Bosch auf dem Las Vegas Strip einen Stauassistenten, der bis Tempo 60 in dichtem Verkehr selbstständig bremst, Gas gibt und das Auto in der Spur hält. Gerüchten zufolge soll das System noch in diesem Jahr von einem europäischen Autohersteller eingeführt werden. Laut Bosch könnten mit einem solchen vorausschauenden Notbremssystem allein in Deutschland bis zu 72 Prozent aller Auffahrunfälle mit Personenschaden vermieden werden. "Mit der Fahrerassistenz wird Bosch 2016 eine Milliarde Euro umsetzen", blickt Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel in die Zukunft.

Die Zukunft war auch eines der Themen der Keynote vom Mercedes-Chef Dieter Zetsche. Während seiner Keynote feierte nämlich das Forschungsfahrzeug F 015 Luxury in Motion auf der CES seine Weltpremiere. Bei dem F 015 handelt es sich um ein autonom fahrendes Fahrzeug, das laut Zetsche gut für die rund 40 Mega-Cities geeignet ist. Eine zentrale Idee des F015 ist ein kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Fahrzeug, Passagieren und Außenwelt. Hierzu dienen sechs rundum installierte, in die Armaturentafel sowie die Rück- und Seitenwände integrierte Displays. Die Passagiere können über Gesten, Eye-Tracking oder Berührung der hochauflösenden Bildschirme intuitiv mit dem vernetzten Fahrzeug interagieren. Über Laserprojektion und LED-Anzeigen nimmt der elektrisch angetriebene F 015 Luxury in Motion außerdem Kontakt zu seiner Umwelt auf.

Audi fährt 550 Meilen per Computer

Weniger visionär war dagegen der Audi A7 piloted driving concept, den die Ingoldstädter zur CES zeigten. Allerdings konnte das Auto, von seinen Entwicklern Jack getauft, mit einer anderen Besonderheit glänzen: Es legte die rund 900 Kilometer lange Anreise vom kalifornischen Stanford nach Las Vegas autonom zurück. Jack entlastet dabei den Fahrer auf Autobahnen im Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 70 mph, also bis rund 110 km/h. Das Forschungsauto führt selbständig Spurwechsel und Überholvorgänge aus und kann automatisiert beschleunigen und bremsen. Vor dem Ausscheren nach links oder - auf amerikanischen Highways - nach rechts gleicht er sein eigenes Tempo an die Geschwindigkeit der Autos im Umfeld an und nimmt den Spurwechsel zügig und präzise vor, wenn die Berechnung ergibt, dass Distanz und Zeit ausreichen.

In Stadtgebieten muss allerdings der Fahrer wieder die Regie übernahmen, das das System dort an seine heutigen Grenzen stößt. Allerdings dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein, denn Jack ist lernfähig. Hierzu sammelt das zentrale Fahrerassistenzsteuergerät (zFAS) Informationen der Sensoren. Über die Online-Verbindung von Audi connect - sie verwendet die Mobilfunktechnik LTE - fließen diese Daten zukünftig zu einem IT?Backend in der Cloud. Dort werden sie mit Algorithmen des Machine Learning und der künstlichen Intelligenz aufbereitet und gelangen zurück ins Auto. Auf diese Weise lernt das Auto während der Fahrt permanent dazu, um seine Performance in komplexen Situationen permanent zu verbessern. Gleichzeitig können auch andere Nutzer dieser Technik von dieser Summierung des Wissens profitieren.