Tipps für Frauen im Job

Kollegen sind keine Freunde

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Digitalisierung und vernetztes Arbeiten eröffnen Frauen viele Chancen auf eine erfolgreiche Karriere, postuliert Christiane Funken in ihrem Buch. Was sie dafür tun müssen, erklärt die Professorin im Gespräch.

CW: Sie schreiben in Ihrem Buch, "Frauen kommen mit entgrenzter Arbeit besser zurecht" und "Die Zukunft der Arbeit ist weiblich". Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

Christiane Funken lehrt an der Technischen Universität Berlin Soziologie. Die Professorin forscht seit vielen Jahren über Aufstiegschancen und Karrierehindernisse von Frauen, Fragen der Kommunikations- und Mediensoziologie sowie zu Organisationen und wie sie sich mit neuen Technologien verändern.
Christiane Funken lehrt an der Technischen Universität Berlin Soziologie. Die Professorin forscht seit vielen Jahren über Aufstiegschancen und Karrierehindernisse von Frauen, Fragen der Kommunikations- und Mediensoziologie sowie zu Organisationen und wie sie sich mit neuen Technologien verändern.
Foto: Gudrun Petersen

Christiane Funken: Frauen sind es gewohnt, viele Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten: Sie kümmern sich um die Familie und sind berufstätig. Sie müssen also stets flexibel und zeitnah reagieren. Die Digitalisierung bringt netzwerkartige Strukturen und löst Abteilungsgrenzen auf. Gerade weil es auf aufgabenorientiertes Arbeiten in Teams ankommt, profitieren Frauen von den Entwicklungen.

CW: Fleißig sein, sich um das Team kümmern kann aber auch eine Einbahnstraße sein. Wie ernten Frauen auch die Früchte ihrer Arbeit?

Christiane Funken: Selbstbewusst und sichtbar sein, auf die eigene Leistung hinweisen, das sind ganz wichtige Erfolgsfaktoren. Gerade weil die neue Arbeitswelt Soft Skills und viel psychologisches Gespür und Integrationsfähigkeit erfordert, haben Frauen einen Vorteil, den sie nutzen müssen.

CW: Sie haben für Ihre Forschungen mit erfolgreichen Frauen über 50 und jüngeren Frauen um die 30 gesprochen. Wie unterschieden sie sich in der Karriereplanung?

Christiane Funken: Viele der erfolgreichen Frauen über 50 sind ratlos, weil sie unmittelbar vor der Chefetage stecken geblieben sind. Die gläserne Decke war für sie unüberwindbar, viele sind frustriert. Jüngere Frauen erlebe ich oft selbstbewusster und trittfester. Viele von ihnen wollen es wissen, starten in großen Organisationen, haben aber einen klaren Plan B. Wenn es ihnen dort nicht gelingt, aufzusteigen, behalten sie ihr Ziel im Auge, kündigen und wechseln in den Mittelstand, wo sie bessere Chancen erwarten. Jüngere agieren oft flexibler und strategischer.

CW: Was außer Ehrgeiz braucht es noch?

Christiane Funken: Wenn ihnen die unmittelbaren Vorgesetzten diesen Schritt zutrauen, fällt es leichter. Allianzen und Netzwerke bilden ist ebenfalls sehr wichtig. Frauen haben oft Hemmungen, ihre Netzwerke für einen bestimmten Zweck - etwa einen neuen Job - einzusetzen. Wer seine Kontakte nutzen kann und sich ethisch korrekt verhält, sollte das tun. Häufig verwechseln Frauen ihre Kolleginnen allerdings mit Freundinnen. In Unternehmen geht es immer auch um Konkurrenz. Beide können sich auf die gleiche Position bewerben, aber sie sollten offen darüber sprechen.

CW: Weshalb bringt die Digitalisierung Frauen neue Chancen?

Christiane Funken: Im Moment erleben wir noch viele Widersprüche. Es gibt die alten, hierarchischen Strukturen, gleichzeitig arbeiten wir aber immer mehr in wechselnden Projekten, Netzwerken und flexiblen Strukturen. Gerade für interdisziplinäre Teams, etwa aus Technikern, Designern und Controllern braucht es Fach- und Führungskräfte, die mit psychologischem Gespür alle Mentalitäten integrieren können und eine hohe Übersetzungsleistung übernehmen. Hier sehe ich Frauen klar im Vorteil.

CW: Aber reicht das für einen Wandel?

Christiane Funken: Viele der tatkräftigen jungen Frauen stimmen ihren Lebensentwurf mit ihren Partnern ab und vereinbaren, wie sie Beruf und Privatleben verbinden wollen. Auch die jungen Männer verändern sich. Die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben und eine Karriere waren noch nie so groß wie heute.

Buchtipp

Foto: C. Bertelsmann Verlag

Christiane Funken: Sheconomy. Warum die Zukunft der Arbeitswelt weiblich ist. C. Bertelsmann Verlag, München, 2016. 208 Seiten, 17,99 Euro.