MWC

Kleiner Blackberry-Server kostenlos

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Während Microsoft oder Nokia auf dem Mobile World Congress mit neuen Plattformankündigungen glänzten, ging es bei Blackberry-Hersteller RIM eher beschaulich zu. Die Kanadier hatten lediglich eine kostenlose Version der Express-Variante ihres Blackberry-Servers im Gepäck.

Neueinsteiger und kleinere Unternehmen können sich freuen: Der Einstieg in die Push-Mail-Welt wird künftig günstiger. Der Blackberry Enterprise Server Express, quasi der kleinere Bruder des Blackberry Enterprise Server, ist künftig kostenlos. Damit haben diese Unternehmen eine Alternative zu den gehosteten Angeboten der Carrier. Im Gegensatz zu Enterprise-Version synchronisiert dieser allerdings lediglich mit Microsoft Exchange und dem Windows Small Business Server. Dafür kann er direkt auf einem Exchange Server laufen, was RIM zumindest für bis zu 75 Usern zertifiziert hat. Im Gegensatz zur großen Enterprise-Version wartet der Express Server jedoch nicht mit den gleichen umfangreichen Security-Features auf, die für kleinere Unternehmen oft zu viel des Guten waren.

Neue Endgeräte oder Software suchte man dagegen auf dem Messestand der Kanadier in Barcelona vergebens. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Microsoft oder Nokia sieht RIM aber auch keine Notwendigkeit, überstürzt neue Produkte auf den Markt zu werfen beziehungsweise anzukündigen. "Vielmehr haben wir Schwierigkeiten das eigene Wachstum zu managen", so Senior Vice President Thorsten Heins. Zumindest auf dem Papier scheinen ihm die Zahlen recht zu geben, konnte doch die Company im letzten Quartal ein Plus von über 30 Prozent verbuchen.

So hält man bei RIM denn auch an der ursprünglichen Roadmap fest und verspricht für Jahresende das Blackberry OS 6. Noch im Jahresverlauf soll ein verbesserter Browser folgen, "der dann die Spitze des Web-Browsing definiert", so Heins. Desweiteren sind Feinheiten am User-Interface des Betriebssystems geplant, wobei die Anwender allerdings keine revolutionären Neuheiten erwarten sollten. "Schließlich wollen wir die bestehenden User mitnehmen und nicht vor den Kopf stoßen", erklärt Heins. Zudem sieht der Manager auch aus einem anderen Grund keinen Anlass für radikale Änderungen: "Ich bin überzeugt, dass wir den Höhepunkt des Touch-Hypes erreicht haben." Zudem sei eine physikalische Tastatur in Sachen Tippgeschwindigkeit gerade im Business-Umfeld durch nichts zu ersetzen. Auch in andere Hinsicht ist der RIM-Manager überzeugt, dass das Motto der Mobilfunkbranche künftig er "back tot the future" lauten wird. Heins zufolge wird der User künftig lediglich fünf bis sechs Applikationen auf seinem Smartphone installieren und den Rest bei Bedarf aus der Cloud holen. Und für diesen Schritt sei RIM gut gerüstet, da man schon seit langem bei der Applikationsentwicklung auf Java setzte. Viel wichtiger als die Vielzahl der Applikationen ist für Heins künftig die Verzahnung der einzelnen Anwendungen - ähnlich wie es Microsoft-Chef Steve Ballmer mit dem Hub-Konzept von Windows Phones 7 Series propagiert. Dann soll etwa die Navigationssoftware erkennen, ob sein Benutzer zu einer im Kalender eingetragenen Verabredung zu spät kommt und ihm mit Hilfe des Adressbuches automatisch anbieten eine Meldung über die Verspätung abzusetzen. Entsprechende Piloten wollen die Kanadier zügig mit Partnern entwickeln.