Rekordverkäufe

Kinect und Office 2010 füllen Microsofts Kasse

28.01.2011
Videospiele und Bürosoftware haben dem weltgrößten Softwarekonzern Microsoft zu Rekordverkäufen verholfen.
Microsoft-Finanzchef Peter Klein
Microsoft-Finanzchef Peter Klein
Foto: Microsoft

Im zweiten Geschäftsquartal (zu Ende Dezember) stieg der Umsatz um fünf Prozent auf noch nie dagewesene knapp 20 Milliarden Dollar. "Wir sind begeistert darüber, wie die Kunden unsere Produkte zu Weihnachten angenommen haben", sagte Finanzchef Peter Klein am Donnerstag in Redmond (US-Bundesstaat Washington).

Klein hob besonders die Bewegungssteuerung Kinect für die Spielekonsole Xbox 360 hervor. Sie hatte sich binnen 60 Tagen acht Millionen Mal verkauft. Auch das Firmenkundengeschäft mit der neuen Bürosoftware Office 2010 entwickelte sich blendend. Dagegen schwächelten die Verkäufe von Windows 7 nach dem Boom des damals brandneuen Betriebssystems im Vorjahreszeitraum. Mit inzwischen mehr als 300 Millionen verkauften Lizenzen bleibt Windows 7 aber eine Erfolgsgeschichte.

Beim Gewinn zeigte sich indes die Kehrseite der Gewichteverschiebung von der Soft- zur Hardware: Mit 6,6 Milliarden Dollar trat Microsoft nahezu auf der Stelle. "Xbox und Kinect verursachen höhere Kosten als der Rest unserer Produkte", sagte Finanzchef Klein. Die Geräte müssen aufwendig produziert werden. Software dagegen, einmal entwickelt, wirft riesige Profite praktisch ohne weitere Kosten ab.

Analysten hatten sogar mit einem Rückgang des Gewinns gerechnet, so dass die Aktie zu Handelsschluss an der New York Stock Exchange 0,3 Prozent im Plus lag. Microsoft hatte die Zahlen versehentlich schon während des laufenden Börsenbetriebs online gestellt. Normalerweise erscheinen die Ergebnisse erst, nachdem der Schlussgong ertönt ist, damit die Investoren sich in Ruhe einen Überblick verschaffen können.

Xbox 360 mit Kinect-Sensor
Xbox 360 mit Kinect-Sensor

Finanzchef Klein zeigte sich optimistisch für die Zukunft: "Wir glauben, dass die Firmenkunden ihre Computerausstattung weiterhin erneuern werden." Neue Computer bedeuten in der Regel auch neue Software. Apple-Chef Steve Jobs indes sieht den klassischen PC als Auslaufmodell und schwärmt von einer Zukunft mit kleinen, leichten Geräten wie seinem iPad-Tablet.

Erst die kommende Generation von Windows wird problemlos auf diesen auf flachen Minirechnern mit berührungsempfindlichem Bildschirm laufen können. Microsoft wird dafür die Chips von ARM unterstützen, einem britischen Entwickler, dessen Prozessoren die meisten Tablet-Computer antreibt.

Bei den immer beliebter werdenden Smartphones will Microsoft verlorenen Boden mit Windows Phone 7 gutmachen. Das spezielle Betriebssystem treibt inzwischen neun Smartphone-Modelle an. Täglich kommen mehr als 100 Zusatzprogramme hinzu, sogenannte Apps. "Wir haben aber noch einiges an Arbeit vor uns", räumte Klein ein.

Ohne Erfolge bei den mobilen Geräten droht Microsoft endgültig von Apple überholt zu werden: Umsatz und Unternehmenswert liegen bereits höher. Und mit einer Verdopplung des Quartalsgewinns auf 6,0 Milliarden Dollar ist Apple mittlerweile auch verdächtig nahe an den Profit von Microsoft herangerückt. Branchenkenner warten gespannt darauf, wie sich die beiden Technologieriesen im laufenden Quartal schlagen werden. (dpa/tc)