E-Book Reader im Review

Kindle Oasis im Test: Lohnendes Update?

Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Amazon bringt die nächste Generation seines erfolgreichen E-Book Readers Kindle auf den Markt. Wir haben den Kindle Oasis im Test unter die Lupe genommen und sagen Ihnen, ob Ihr Paperwhite nun ausgedient hat.

Ein Smartphone oder Tablet kann inzwischen fast alles, was Mensch so braucht. Zumindest wenn man keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Und auch wenn die smarten Devices im Laufe der letzten Jahre in Sachen Energieeffizienz deutlich zugelegt haben - Power-User kommen in der Regel nicht umhin, ihre Gerätschaften mindestens einmal pro Tag an die Steckdose zu hängen.

Genau das ist auch der Grund, warum viele Menschen nicht nur Tablet und Smartphone, sondern auch noch einen E-Book Reader in der Tasche haben. Deren mattes E-Ink-Display bleibt auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesbar und ist so ein idealer Begleiter für den Strandurlaub oder den Badesee. Noch besser ist: Die Dinger verbrauchen kaum Energie. Bei vielen E-Reader-Enthusiasten vergehen zwischen zwei Ladevorgängen Wochen. Probieren Sie das doch einmal mit einem iPhone. Mit dem neuen Kindle Oasis will Amazon die Latte bei den E-Book Readern erneut ein Stückchen höher legen. Ob das klappt, verraten wir Ihnen im ausführlichen Test.

Eines noch vorneweg: der Kindle Oasis ist alles andere als ein Schnäppchen. Knapp 290 Euro kostet die Basisvariante. Unser Testexemplar hatte außerdem die optionale 3G-Verbindung an Bord, was den (Einzelhandels-)Preis auf knapp 350 Euro treibt. Für diesen Betrag bekäme man beispielsweise auch ein iPad Mini 2 mit 32 GB Speicher. Auf den ersten Blick wird es also wohl schwer, die Kunden davon zu überzeugen, statt eines multifunktionalen Tablets lieber einen E-Book Reader zu kaufen, der im Grunde nur eine Funktion bietet.

Kindle Oasis (links) vs. Paperwhite (rechts): Im Test verraten wir Ihnen, ob ein Update auf Amazons neuesten E-Book-Reader lohnt.
Kindle Oasis (links) vs. Paperwhite (rechts): Im Test verraten wir Ihnen, ob ein Update auf Amazons neuesten E-Book-Reader lohnt.
Foto: Séamus Bellamy

Kindle Oasis im Test: Besser als Paperwhite?

Das erste, was langjährigen Kindle-Nutzern am Oasis auffallen wird, ist seine Größe. Mit Abmessungen von 143 mm x 122 mm x 3,4 mm und einem Gewicht von 133 Gramm ist der Oasis - ganz wie Amazon verspricht - der bislang dünnste und leichteste Kindle. Wie seine etwas gewichtigeren Vorgänger Voyage und Paperwhite hat auch der Kindle Oasis ein sechs Zoll Display mit 300 PPI zu bieten. Bleibt die Hintergrundbeleuchtung am Oasis aus, ist zunächst kein Unterschied zu einem aktuellen Paperwhite-Modell festzustellen. Das ändert sich grundlegend, wenn man das Backlight zuschaltet: Zehn LED-Lämpchen sorgen für eine gleichmäßige Hintergrundbeleuchtung und lassen den Paperwhite mit seinem etwas mickrigen LED-Quartett ziemlich alt aussehen.

Das soll nicht heißen, dass es eine Qual wäre auf dem Paperwhite zu lesen: Das Display des neuesten Amazon E-Book Readers ist schlicht und ergreifend besser. Das geringe Gewicht und die erhabene Hintergrundbeleuchtung haben aber auch ihren Preis: Der Akku des Kindle Oasis zeigt im Test - im Vergleich zu den Energiespendern der Vorgänger - ein signifikant schlechteres Durchhaltevermögen. Mit derselben Energie, mit der ein Paperwhite potenziell über Monate durchhält, läuft der Oasis E-Reader im Schnitt ungefähr zwei Wochen - abhängig vom Nutzungsverhalten.

Das im Lieferumfang enthaltene, lederne Akku-Cover wird magnetisch angedockt.
Das im Lieferumfang enthaltene, lederne Akku-Cover wird magnetisch angedockt.
Foto: Séamus Bellamy

Um dem Oasis etwas mehr Akku-Potenz zu verleihen, hat Amazon auch einen Akku in der (im Lieferumfang enthaltenen) Leder-Ladehülle untergebracht. Die Schutzhülle versorgt den internen Akku mit neuem Saft, sobald sie magnetisch angedockt wird. Laut Amazon muss der neueste Kindle E-Book Reader dank seines Akku-Duos erst nach acht Wochen an die Steckdose. Das funktioniert aber nur, wenn Sie täglich nicht mehr als 30 Minuten lesen und die Bildschirmbeleuchtung stets auf Sparflamme halten. Im Test haben wir den Kindle Oasis einige Stunden pro Tag benutzt. Nach einem Monat war er bereits einmal an der Steckdose.

Der Body des Kindle Oasis ist - aufgrund der Andockmäglichkeit für das Ladecover - asymmetrisch geformt: Dort, wo das Cover angebracht wird, ist das Gehäuse etwas dicker, denn hier sitzt auch der interne Akku des Amazon E-Book Readers. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum man bei Amazon lieber einen Gehäusewulst integriert, als auf eine gleichmäßige, flache Oberfläche zu setzen: Ganz einfach, weil man es kann. Und weil der Oasis dank besagten Wulstes ganz hervorragend mit nur einer Hand bedienbar ist. Die Ergonomie ist dabei ebenfalls durchdacht: Wenn Sie den Oasis mit einer Hand halten, ruht Ihr Daumen ganz natürlich auf dem breiten Displayrand. Hier wäre also der perfekte Platz für die Tasten zum Umblättern - und genau da befinden sie sich auch.

In Sachen Ergonomie gibt es am Kindle Oasis nichts auszusetzen.
In Sachen Ergonomie gibt es am Kindle Oasis nichts auszusetzen.
Foto: Séamus Bellamy

All diese Punkte machen den Amazon Kindle Oasis zu einem leichtgewichtigen E-Book-Reader, der komfortabel mit einer Hand bedienbar ist. Dank eines integrierten Beschleunigungsmessers ist der Oasis übrigens für Rechts- wie Linkshänder gleichermaßen geeignet: Drehen Sie das Ding einfach um - fertig. Die Funktion der Tasten zum Umblättern wird in diesem Fall ebenfalls umgedreht. Achja: Wenn Sie mechanische Tasten abstoßend finden, können Sie den Oasis auch einfach per Touch bedienen.

Dank seines Designs ist Amazons neuester E-Reader Oasis auch einhändig bedienbar - ein Beschleunigungsmesser sorgt dafür, dass auch Linkshänder glücklich werden.
Dank seines Designs ist Amazons neuester E-Reader Oasis auch einhändig bedienbar - ein Beschleunigungsmesser sorgt dafür, dass auch Linkshänder glücklich werden.
Foto: Séamus Bellamy

Paperwhite-Nachfolger Oasis: Die Nachteile

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Natürlich hat auch der neueste Amazon E-Reader einige Dinge "an sich", die wir nicht goutieren können. So zeigt sich das Betriebssystem im Vergleich zu den Kindle-Vorgängergenerationen absolut unverändert. Bei internem Speicher und RAM gibt es nur marginale Verbesserungen: Ersterer beträgt jetzt 4 GB, letzterer wurde von 512 MB auf 1 GB verdoppelt. Im Test des Kindle Oasis war allerdings trotzdem keine wesentliche Performance-Verbesserung festzustellen.

Test-Fazit: Kindle Oasis kaufen - Ja oder nein?

Wenn Sie immer nur das allerbeste Stück Hardware besitzen möchten und der Preis keinerlei Rolle spielt, dann werden Sie mit dem Kindle Oasis mehr als glücklich. Der Oasis ist ein toller, komfortabler und durchdachter E-Book Reader und Amazon hat eine der weltweit größten E-Bibliotheken. Der Kindle Oasis ist laut Amazon in Deutschland ab dem 18. August verfügbar.

Wenn der Preis aber eine Rolle spielt, sollten Sie sich lieber den Vorgänger Kindle Paperwhite ansehen. Der besitzt ähnliche Fähigkeiten wie der Oasis, ist aber deutlich günstiger.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer US-Schwesterpublikation macworld.com.