Karrierechancen im IT-Mittelstand

25.07.2002
Von Hiltrud Osterried
Seit Großkonzerne durch Entlassungen für Schlagzeilen sorgen, werden die Kleineren zunehmend interessant. Sie locken mit familiärer Atmosphäre, guten Aufstiegsmöglichkeiten und kurzen, unkomplizierten Entscheidungswegen.

Personalnot macht erfinderisch. Deshalb riefen die Saxonia Systems AG und die Objectfab GmbH letztes Jahr einen Programmierwettbewerb ins Leben, um auf diese Weise erste Kontakte zu potenziellen Mitarbeitern zu knüpfen. In diesem Jahr findet der Java-Wettbewerb zum zweiten Mal statt - mit überwältigender Resonanz. Über 500 Programmiertalente kämpften um Titel und Ehre.

So viele freie Stellen haben die beiden Dresdner Unternehmen, Saxonia mit 130 und Objectfab mit acht Mitarbeitern, natürlich nicht zu besetzen, wenngleich sie immer auf der Suche nach Spitzenkräften sind. Zehn Java-Entwickler und je zwei Mitarbeiter für die Bereiche IT-Services und Prozessberatung sucht derzeit Saxonia-Vorstand Andreas Mönch.

Im Gegensatz zu mittelständischen Betrieben sind die großen Konzerne vorsichtiger geworden, was Einstellungen angeht. So findet sich auf der Homepage von Siemens gerade einmal eine offene Stelle, wenn man als gewünschte Funktion IT-Technologien und als Arbeitsgebiet Information und Communications angibt.

. Ganz anders hingegen sieht es bei dem Beratungs- und Softwarehaus FJA AG, München, aus, das in diesem Jahr 200 Positionen besetzen will. Gesucht werden Anwendungsentwickler, Softwarearchitekten und -ingenieure sowie IT-Spezialisten mit dem Schwerpunkt Versicherung. Obwohl FJA inzwischen 870 Mitarbeiter beschäftigt, konnte sich das Unternehmen die Vorteile eines Mittelständlers bewahren, erklärt Rolf Schwaneberg, Chief Human Resources Officer. „Hierzu zählen eine offene Atmosphäre und sehr gute Zusammenarbeit im Team. Das große Plus der Kleineren gegenüber den Großen ist, dass Entscheidungen schneller herbeigeführt werden können.“ Ixos Software AG, und hebt vor allem die persönlichere Arbeitsatmosphäre sowie die höhere Flexibilität der Mittelständler hervor. Das Softwarehaus, das insgesamt 800 Beschäftigte zählt und einige interessante Stellen zu besetzen hat, pflegt die Kultur der offenen Türen: „Jeder Mitarbeiter kann einen Termin mit dem Vorstand vereinbaren. Das wäre bei einem Großkonzern kaum möglich.“ >

Rüdiger Zeyen, Conet Consulting: Kleinere Firmen ziehen bei Sozialleistungen nach.Zudem ziehen die kleineren Firmen nicht nur beim Gehalt, sondern auch bei den Sozialleistungen immer stärker mit den Großen gleich. So hat das Softwarehaus inzwischen eine betriebliche Alterversorgung, Kantinen an den verschiedenen Standorten und finanziert die Anfahrtskosten der Mitarbeiter zum Arbeitsplatz. „Je kleiner das Unternehmen, desto mehr kann der einzelne Mitarbeiter bewirken. Auch die Verantwortung steigt“, spricht Steffen Gemkow, Geschäftsführer des Acht-Personen-Betriebs Objectfab, aus eigener Erfahrung. Gerade diese Herausforderung habe ihn dazu bewogen, sich vor zwei Jahren selbständig zu machen.

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