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Kann Windows XP in Südkorea starten?

05.10.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Südkoreas führendes Internet-Portal Daum Communications hat eine Einstweilige Verfügung gegen die Markteinführung von Microsofts neuem Betriebssystem Windows XP beantragt. Das südkoreanische Unternehmen sieht sich durch "unfaire Geschäftspraktiken" des US-Softwareriesen bedroht, die sich in der Bündelung verschiedener Anwendungen wie Instant Messaging, Internet-Telefonie oder digitale Bildbearbeitung mit dem Betriebssystem manifestieren. Diese Applikationen erhalte der Anwender damit künftig kostenlos. Dadurch seien andere Anbieter wie Daum im Nachteil. Die südkoreanische Company besitzt beispielsweise einen 20-prozentigen Anteil am heimischen Markt für Instant-Messaging-Lösungen.

Daum reichte die Klage beim Bezirksgericht von Seoul ein, nachdem ein ähnlicher Antrag bei der Wettbewerbsbehörde des Landes bislang ohne Folgen blieb. Ein Microsoft-Sprecher erklärte inzwischen, man werde erst reagieren, wenn entweder die Kartellwächter oder das Gericht ein Urteil in der Angelegenheit verhängten. Daum, das die Interessen von 17 weiteren südkoreanischen Firmen vertritt, kündigte bereits eigene Maßnahmen gegen den geplanten Südkorea-Start des Microsoft-Betriebssystems am 26. Oktober an. Möglich sei beispielsweise ein Verkaufsboykott der Software auf den Websites der 18 Unternehmen.

Die Daum-Klage kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für Microsoft: Am 16. Oktober will Bill Gates, Chairman und Chief Software Architect, nach Südkorea kommen, um die Werbetrommel für sein neues Produkt rühren.