Bitkom hebt Prognose an

ITK-Branche erwartet erstmals mehr als eine Million Beschäftigte

22.10.2015
Die deutsche ITK-Branche knackt bei den Beschäftigungszahlen erstmals die Millionen-Marke. Auch der Umsatz steigt stärker, als zunächst erwartet. Doch es gibt auch Verlierer.

Der Digitalverband Bitkom hat seine Wachstumsprognosen für das Jahr 2015 angehoben. Der Umsatz in der ITK-Branche soll demnach um 1,9 Prozent auf 156 Milliarden Euro wachsen. "Es geht steiler bergauf, als wir noch im Frühjahr angenommen haben", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Donnerstag in Berlin. Bislang war der Verband von einem Plus von 1,5 Prozent ausgegangen. 2014 lag das Wachstum bei 1,4 Prozent.

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom
Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom
Foto: Bitkom

Das mache sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. So erwartet die Branche bis Jahresende erstmals in ihrer Geschichte mehr als eine Million Beschäftigte. "Damit sind in den vergangenen fünf Jahren rund 135.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Allein im laufenden Jahr kommen fast 25.000 neue Jobs dazu", sagte Rohleder. "Die Branche festigt ihre Rolle als zweitgrößter industrieller Arbeitgeber, knapp hinter dem Maschinenbau." Wachstumsmotor seien dabei die Unternehmen der Informationstechnologie.

Laut Rohleder fehlen in Deutschland branchenübergreifend etwa 43.000 IT-Experten. "Damit verlieren wir ein Marktvolumen von einer Milliarde Euro." Unter den Flüchtlingen seien sicher auch vereinzelt qualifizierte Fachkräfte, sie könnten aber nicht dafür sorgen, die enorme Lücke signifikant zu schließen, sagte der Bitkom-Chef und betonte, dass die ITK-Branche Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt integrieren wolle.

Die positiven Umsatzprognosen begründet der Verband mit einem überraschend besseren Geschäft im Bereich IT-Hardware (Server, Halbleiter), das um 2,8 Prozent auf 23 Milliarden Euro wächst. Smartphones und andere Endgeräte legen mit einem Plus von 5,5 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zu. "Bei Smartphones sehen wir einen Trend zu größeren Displays und mehr Speicher, und damit auch tendenziell etwas teureren Geräten", sagte Rohleder.

Der Software-Bereich wächst um 5,4 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro. Kontinuierlich zugelegt hat das Geschäft mit IT-Dienstleistungen, das voraussichtlich um 3 Prozent auf 37,3 Milliarden Euro wächst.

Bei der Unterhaltungselektronik setzt sich dagegen der Abwärtstrend in abgeschwächter Form fort. Der Umsatz sinkt um 3,8 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro (2014: -5,4 Prozent). Vor allem Digitalkameras (-8,8 Prozent) sind in Zeiten immer hochwertigerer Smartphones weniger gefragt. Ein weiterer Verlierer sind die Sprachdienste in der Telekommunikation, wobei Festnetz (-7,5 Prozent) und Mobilfunk (-7 Prozent) gleichermaßen Rückgänge verbuchen.

Für 2016 erwarten die Unternehmen der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik ein abgeschwächtes Wachstum von 1,5 Prozent. Gründe sind ein erwarteter Sättigungseffekt bei den Smartphones und der "VW-Effekt", der Rohleder zufolge bei IT-Dienstleistern und Softwareanbietern für Unsicherheit sorgt. (dpa/tc)