COMPUTERWOCHE-Studie

IT-Freiberufler profitieren von langen Projekteinsätzen

Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Oft arbeiten IT-Freelancer mehr als ein Jahr in einem Projekt. Das reduziert den Akquiseaufwand, erschwert jedoch die Planbarkeit von Anschlussjobs. Am häufigsten kommen neue Angebote über ehemalige Kunden, am zweithäufigsten über Vermittlungsagenturen.

Knapp 88 Euro pro Stunde haben IT-Freiberufler im vergangenen Jahr durchschnittlich verdient. Im Vergleich zu 2012 konnten sie damit ihren Stundensatz um etwa drei Euro steigern. Das zeigt die IT-Freiberufler Studie 2014 der IDG Business Research Services. Doch diese Ergebnisse bedeuten natürlich nicht, dass jeder der 1.096 Studienteilnehmer diesen Stundensatz auch tatsächlich erzielte.

Der Blick auf den Gesamtjahresverdienst im Jahr 2013 enthüllt, wie stark sich die Gehälter von IT-Freiberuflern letztendlich unterscheiden. Jeweils ein Zehntel der Freelancer verteilt sich auf die drei niedrigsten Verdienstgruppen: weniger als 30.000 Euro, 30.000 bis 60.000 Euro und 60.000 bis 90.000 Euro. Knapp 22 Prozent der Freiberufler rechnen mit 90.000 bis 120.000 Euro, jeder Vierte erwartet einen höheren Jahresverdienst. Die übrigen Befragten wollten dazu keine Angaben machen.

Positive Prognose: Knapp 40 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten im Jahr 2014 eine höhere Auslastung im Vergleich zum Vorjahr.
Positive Prognose: Knapp 40 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten im Jahr 2014 eine höhere Auslastung im Vergleich zum Vorjahr.
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Die Studienauswertung zeigt, wie Vermittlungsagenturen das Honorar beeinflussen: Wer als Freelancer mit ihnen zusammenarbeitet, erzielt im Allgemeinen eine höhere Auslastung. Knapp 54 Prozent der über Agenturen vermittelten Freelancer waren im vergangenen Jahr an mehr als 200 Tagen beschäftigt. Unter den Freiberuflern ohne Agenturunterstützung erreichten nur 44 Prozent diese Auslastung.

Anschlussprojekte schwer planbar

Das reduziert den Akquiseaufwand, bringt aber andere Hürden mit sich. Zahlreiche Freiberufler benennen Scheinselbständigkeit als Herausforderung in ihrem Berufsalltag. Einer beschreibt das Problem als “die unsägliche Bedrohung durch das Gesetz zur Scheinselbständigkeit - obwohl Freelancer Steuern zahlen, das Risiko tragen und die Wirtschaft fördern”. Mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnet die Planbarkeit von Anschlussprojekten als Herausforderung. Am zweit- und dritthäufigsten nennen die Selbstständigen Verhandlungen um Stundensätze (45,1 Prozent) sowie den hohen Reiseaufwand und die Entfernung zum Projektort (34,5 Prozent). Auch die fehlende Zeit für Weiterbildung und die hohe Arbeitsbelastung fordern fast jeden dritten IT-Freiberufler. Doch diese Schwierigkeiten führen nicht dazu, dass Freelancer in Scharen in ein Arbeitnehmerverhältnis drängen. Zeit- und Leiharbeit kommen für mehr als drei Viertel der Befragten nicht in Frage. Jeder Zehnte kann sich die Arbeitnehmerüberlassung eventuell vorstellen und nicht einmal zwei Prozent auf jeden Fall.

Bei einer Festanstellung liegen die Verhältnisse etwas anders. Rund zwölf Prozent der Freelancer können sich den Wechsel in den festen Job auf jeden Fall vorstellen, ein knappes Drittel eventuell, die übrigen winken ab. Die Beweggründe der Freelancer für die Freiberuflichkeit zeigen, weshalb viele einer Festanstellung wenig abgewinnen können. Da schreiben Umfrageteilnehmer von ihrem Selbstverwirklichungsdrang, vom Verlangen, unabhängiger zu sein, eigene Ideen umzusetzen und sich ihre Aufgaben und Projekte selbst auszusuchen. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer nennen Unabhängigkeit als Beweggrund für ihre Freiberuflichkeit, rund 43 Prozent den Wunsch nach einem abwechslungsreicheren Job. An dritter und vierter Stelle der Beweggründe stehen bessere Verdienstmöglichkeiten und flexiblere Arbeitszeiten (40 bzw. 38 Prozent). Doch nicht immer verläuft der Wechsel in die Freiberuflichkeit freiwillig. Jeder vierte befragte IT-Experte hat sich nach einer Kündigung für die Selbstständigkeit entschieden. Auch das Alter spielt bei einigen eine Rolle: “Ab 45 ist in der IT fast keine Festanstellung mehr zu bekommen”, schreibt einer der Umfrageteilnehmer.

Wunsch nach Webinaren

Unabhängig vom Alter spielt Weiterbildung eine wichtige Rolle für IT-Freiberufler, sie investieren jährlich knapp fünf Prozent ihrer Einnahmen in Fortbildungen. Für jeden zweiten Freelancer hat Weiterbildung eine große Bedeutung, für ein weiteres Drittel eine mittlere Bedeutung. Als unwichtig bezeichnen gerade einmal vier Prozent der Befragten das Thema. Doch vielen fällt es schwer, in ihrem Freiberufleralltag die notwendigen Ressourcen für Weiterbildung freizuschaufeln. Ein knappes Drittel der Umfrageteilnehmer beklagt, dass Ihnen Zeit für Weiterbildung fehlt. Knapp 28 Prozent der Befragten bezeichnen die hohen Kosten als Herausforderung. Doch nur rund ein Drittel der Freelancer verzichtet völlig auf Weiterbildungen. Die übrigen besuchen mindestens eine Weiterbildungsmaßnahme pro Jahr. Dabei achten viele auch darauf, ob die Fortbildung mit einem Zertifikat verbunden ist. Für jeden Fünften haben Zertifikate eine große Bedeutung, für weitere 37 Prozent eine mittlere Bedeutung.

Auf die Frage, welche Veranstaltungen für Sie besonders hilfreich wären, geben die Umfrageteilnehmer sehr unterschiedliche Antworten. Die Wunschangebote reichen von technologiebezogenem Fachwissen wie SAP oder App-Entwicklung über Projektmanagement Know-how bis hin zu Soft Skills wie Akquise, Selbstmarketing und Stressbewältigung. Einer der Befragten bringt die Schwierigkeiten auf den Punkt: “Die beste Schulung bringt nichts, wenn sie nicht direkt in die Praxis umgesetzt werden kann. Wenn man erst mal im Projekt sitzt, kann man sich schlecht für eine Schulung sofort freimachen. Das ist ein Teufelskreis.” Neben der beschriebenen Notwendigkeit, erworbenes Wissen direkt in einem Projekt anzuwenden, zeigen die Umfrageantworten einen weiteren Trend. Viele der Befragten wünschen sich flexiblere Weiterbildungsmöglichkeiten. Sie möchten bezahlbare Webinare besuchen, bei denen sie sich ihre Zeit frei einteilen können.

Der Blick auf die Auslastung der IT-Freiberufler zeigt, dass es für einige künftig noch schwieriger werden könnte, sich Zeit für Weiterbildung zu nehmen. Nur 17 Prozent der Befragten rechnen mit einer schlechteren Auslastung, die übrigen mit einer gleich bleibenden. Knapp 40 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten im Jahr 2014 eine höhere Auslastung im Vergleich zum Vorjahr. Der Blick auf die Auslastung der IT-Freiberufler zeigt, dass es für einige künftig noch schwieriger werden könnte, sich Zeit für Weiterbildung zu nehmen. Nur 17 Prozent der Befragten rechnen mit einer schlechteren Auslastung, die übrigen mit einer gleich bleibenden. Knapp 40 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten im Jahr 2014 eine höhere Auslastung im Vergleich zum Vorjahr.

Freiberufler-Studie

1.096 IT-Freiberufler nahmen an der Online-Befragung für die IT-Freiberufler-Studie 2014 teil. Sie wurde von 8. Oktober bis 5. Dezember 2013 von IDG Business Research Services durchgeführt. Die Teilnehmer beantworteten unter anderem Fragen zu ihrer beruflichen Situation als Freiberufler, ihrer Zufriedenheit mit Agenturen und gaben eine Markteinschätzung ab. Die COMPUTERWOCHE ist Auftraggeber der Studie und stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.

Im Durchschnitt sind die 1.096 Umfrageteilnehmer 47 Jahre alt, neun von zehn Befragten sind männlich. Die Tätigkeitsfelder verteilen sich wie folgt: Drei Viertel der IT-Freiberufler sind in der Beratung tätig, fast jeder Zweite im IT-Projektmanagement. 38 Prozent der Freelancer beschäftigen sich mit Entwicklung und Programmierung, jeder Dritte übernimmt Coaching-Aufgaben. Rund ein Fünftel der Umfrageteilnehmer arbeitet in den Bereichen Administration und Support, mit Datenbanken oder in der Qualitätssicherung.