IT-Arbeitsmarkt erholt sich

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die Unternehmen stellen wieder IT-Spezialisten ein. Vor allem Beratungs- und Softwarehäuser suchen Mitarbeiter. Gefragt sind in erster Linie Entwickler, aber auch Organisatoren und Koordinatoren sind begehrt. Von Hans Königes

"In diesem Jahr wird es eine Konsolidierung geben, vielleicht sogar ein leichtes Plus", freut sich Stephan Pfisterer vom Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Nach einer Bitkom-Umfrage rechnen 74 Prozent der Mitgliedsfirmen für dieses Jahr mit steigenden Umsätzen. 56 Prozent beabsichtigen, neue Jobs zu schaffen. Der Verband geht davon aus, dass heuer 750000 Beschäftigte in der Branche arbeiten, rund 10000 mehr als im Vorjahr.

Auch in der Adecco-Analyse des offiziellen Stellenmarktes in 40 Zeitungen zeichnet sich ein Lichtblick ab. Genau 17088 IT-Stellenangebote erschienen im vergangenen Jahr in 40 Tageszeitungen und der Computerwoche, im Jahr zuvor waren es 14014 Offerten. Der Personaldienstleister Adecco, der die Untersuchung regelmäßig vornimmt, sieht darin eine Bestätigung dafür, dass es aufwärts geht. Denn: Von Oktober bis Dezember 2004 betrug der Zuwachs gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum sogar gut 40 Prozent.

Der größte Zuwachs mit über 60 Prozent auf 1715 Jobs entfällt auf Organisatoren, Koordinatoren und auf firmeninterne Berater. Ebenfalls im Aufwind befinden sich die Anwendungsentwickler. 3414 Stellen waren für diese Berufsgruppe ausgeschrieben, was einem Plus von über 20 Prozent entspricht. Stärker gesucht sind auch Verkäufer, Datenbank- sowie Systemspezialisten. Nur leicht gestiegen sind dagegen die Angebote im Netzwerkumfeld sowie aus Rechenzentren.

Mit 4275 Angeboten entfallen nach wie vor die meisten Offerten auf die Beratungs- und Softwarehäuser, die mit über 30 Prozent auch den stärksten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verbuchten. Ein starkes prozentuales Plus melden zudem die Zeitarbeitsfirmen, allerdings auf niedrigerem absolutem Niveau. Fast die ganze Dienstleistungsbranche, allen voran die Werbeagenturen, Marktforschungsinstitute und Wirtschaftsberatungen, hat im zweistelligen Prozentbereich mehr Jobs ausgeschrieben als im vergangenen Jahr.

Schwere Zeiten für Freaks

Dirk Taubner, sd&m: "Ich wünsche mir Informatiker, die Innovationen wie Netweaver in die Praxis umsetzen."
Dirk Taubner, sd&m: "Ich wünsche mir Informatiker, die Innovationen wie Netweaver in die Praxis umsetzen."

Mehr IT-Profis suchten auch die Maschinen- und Fahrzeugbauer, die Verlage, die Telekommunikationsbranche und die Finanzdienstleister. Ähnlich viele Ausschreibungen wie im Vorjahr, nämlich rund 2200, werden im öffentlichen Dienst gezählt. In der Pharma- sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie dagegen ist die bereits niedrige Zahl der Offerten aus dem Vorjahr nochmals zurückgegangen.

Hoffnungen auf Einstellungschancen können sich in erster Linie Informatiker mit einem Hochschulabschluss oder Absolventen eines der vier neuen IT-Ausbildungsgänge machen. "Natürlich gibt es immer noch den Theologen, der wunderbare Programme schreiben kann", sagt Pfisterer. "Aber die Bedeutung der Quereinsteiger geht drastisch zurück", der reine Freak habe kaum noch Chancen. "Junge Menschen, die ihre Zukunft im IT-Arbeitsmarkt sehen, brauchen neben einer guten Ausbildung ein ausgeprägtes analytisches Denkvermögen und großes Interesse an innovativen Themen", fordert Rosemarie Clarner, Director Human Resources beim Saarbrücker Beratungs- und Softwarehaus IDS Scheer.

Managen von Offshore-Projekten

Innovation ist auch ein Anliegen des Vorstands von sd&m in München, Dirk Taubner. Er wünscht sich "exzellent ausgebildete Informatiker, die technische Innovationen wie Netweaver in die praktische Projektumstzung tragen können". Vor dem Hintergrund der Osterweiterung der EU und den Überlegungen vieler westeuropäischer IT-Firmen, sich in den neuen EU-Mitgliedsstaaten zu engagieren, erwartet Taubner als zusätzliche Qualifikation das Managen von Offshore-Projekten.

sd&m beschäftigt beispielsweise Programmierer in Polen und nun gehe es unter anderem darum, die Koordinations- und Kommunikationsaufgaben zwischen deutschen und polnischen Teams zu organisieren, wozu auch die Schulung der Kollegen aus dem Nachbarland gehört. Immer wieder weisen die Arbeitgeber auf die Fähigkeiten hin, die sonst noch eine große Rolle spielen: "Fachwissen und analytische Fähigkeiten sind die Grundlage", bestätigt Steffen Jakob, Vorstand der Lynx Consulting AG in Bielefeld. Mindestens so wichtig seien ihm allerdings eine "ausgeprägte Kundenorientierung und eine überdurchschnittliche Kommunikationskompetenz." Clarner ergänzt: "Ganz wichtig sind eine hohe soziale Kompetenz und die damit verbundene Teamfähigkeit." Wer als IT-Berater arbeiten wolle, die im Moment gerade wieder stark nachgefragt werden, benötige zudem ein "überdurchschnittliches Maß an Flexibiliät und Mobilität".

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