MWC 2015

Intel muss bei Smartphones und Tablets Gas geben

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
Intel präsentiert auf dem Mobile World Congress neue Lösungen für Smartphones und Tablets. Nach bisher mäßigem Markterfolg und finanziellen Verlusten sollen die neuen Atom-Prozessoren x3, x5 und x7 und LTE-Lösungen die Wende bringen.

Intels CEO Brian Krzanich kündigte die Neuigkeiten des Unternehmens höchstpersönlich in Barcelona an. Auch das zeigt, wie wichtig für Intel Wachstum im mobilen Markt ist. Kein Wunder, die letzten gemeldeten Quartalszahlen zeigten abermals die Probleme von Intel, im Geschäft der Smartphones und Tablets Fuß zu fassen. Und im gesamten letzten Jahr gab es für die "Mobile and Communications Group" von Intel einen operativen Verlust von 4,2 Milliarden US-Dollar.

Intel braucht einfach bessere Produkte, um gegen Qualcomm, Mediathek & Co. konkurrenzfähiger zu sein. Der Bedarf an mobilen Prozessoren (inklusive SoC) und Kommunikations-Chips wird durch die zunehmende Vernetzung der Geräte weiter rapide wachsen. Laut Intel soll die Anzahl der "Connected Devices" von derzeit 4,9 Milliarden auf 50 Milliarden im Jahr 2020 ansteigen. Während aktuell das Gros der vernetzten Geräte Smartphones, Notebooks und Tablets ausmachen, kommen stetig mehr Gerätegattungen (Internet der Dinge) hinzu; beispielsweise Wearables, Industrie 4.0, Überwachungskameras oder Connected Cars.

Zwar ist Intel bei den Wearables und dem Internet der Dinge mit seiner Edison-Plattform früh mit am Ball, die langjährige Atom-Plattform muss aber endlich im Massenmarkt der günstigen Smartphones und Tablets ins Rollen kommen. Obwohl Intels aktuelle Smartphone-Prozessoren der Atom-Z3000-Serie nach langer Aufholjagd schon durchaus konkurrenzfähig zu ARM sind, ist es schwierig, bei großen Anbietern wie Samsung, LG, Acer oder Sony Fuß zu fassen.

Neuer Atom x3 mit integriertem LTE

Die Tür öffnen soll die neue Serie "Atom x3", die bislang unter dem Codenamen SoFIA bekannt war. Der Atom x3 ist Intels erster Prozessor mit integriertem Mobilfunk und weiteren Kommunikationstechnologien. Neben einem 64-bittigen Dual- oder Quad-Core vereint der Atom x3 ein 3G- oder LTE-Modem, Bildprozessor, Grafik-Engine, Audio sowie weitere Konnektivitätsfunktionen auf einem einzigen Chip. Dadurch sollen Hersteller kostengünstig Smartphones und Tablets im schnell wachsenden Markt von Einsteigergeräten produzieren können. Wie Krzanich auf dem Mobile World Congress bekannt gab, haben sich 20 Hersteller wie Asus und Jolla zu Designs mit Atom x3 bekannt. In sechs bis acht Wochen sollen erste Geräte auf den Markt kommen.

Erste 14-nm-Atoms

Intel fertigt die Atom-x3-Serie nicht selbst; dies wird vermutlich von TSMC übernommen. Die ebenfalls von Krzanich angekündigten neuen Atom x5 und Atom x7 produziert Intel dagegen selbst - erstmals bei einem Atom im 14-nm-Prozess. Das neue Namensschema mit x3, x5 und x7 soll eine bessere Einordung der Leistungsfähigkeit der Prozessoren ermöglichen. Damit gibt es nun auch beim Atom einen Analogie zu den Notebook- und Desktop-Prozessoren der Serien Core i3, Core i5 und Core i7.

Mit dem Atom x5 sollen mittelpreisige Smartphones und Tablets bedient werden, der Atom x7 adressiert teurere Highend-Geräte. Die Atoms besitzen eine Intel-Grafik-Engine der achten Generation. Die CPUs mit Dual- oder Quad-Core verfügen im Gegensatz zum Atom x3 über keine integrierten Kommunikationstechnologien. Für den Mobilfunk braucht der Atom x5 und x7 somit ein zusätzliches Modem. Hier hat der Intel-CEO gleich eine neue Generation eines LTE-Modems im Gepäck. Der Intel-Chip XMM 7360 erlaubt Bandbreiten von bis zu 450 Mbit/s. Erste Smartphones und Tablets mit dem Atom x5 und Atom x7 sollen noch im ersten Halbjahr 2015 auf den Markt kommen.

Die neuen Atom-Prozessoren der Serien x3, x5 und x7 arbeiten mit Android ebenso zusammen wie mit dem kommenden Windows 10. (cvi)