Wipro-CEO TK Kurien im Interview

"Innovationen entstehen heute am Frontend"

Joachim Hackmann
Als Chefreporter Online der Computerwpoche spürt Joachim Hackmann aktuelle Themen aus allen Segmenten der IT-Branche auf. Seine thematische Vorliebe gilt der IT-Servicebranche. Dazu zählen etwa Trends, Neuerungen, Produkte und Unternehmen aus den Bereichen Cloud Computing, XaaS, Offshoring und Outsourcing sowie System-Integration und Consulting. Zudem betreut er die Computerwoche-Online-Rubrik "Mittelstand" und hält den Kontakt zur Computerwoche Xing-Lesergruppe.
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Wipro-CEO TK Kurien richtet den Service-Provider nach und nach auf das Geschäft mit der Frontend-IT aus, weil dort, an der Schnittstelle zum Kunden, heute Innovationen entstehen. Die Backend-IT werde zunehmend automatisiert betrieben, betont er im CW-Interview.

CW: Nahezu alle indischen Provider haben sich in den vergangenen Jahren sehr stürmisch entwickelt. Warum interessieren Sie sich für den doch recht beschaulich wachsenden deutschen IT-Markt, in dem die bestehenden Kunden-Lieferanten-Beziehungen zumeist sehr stabil sind?

Wipro-CEO TK Kurien: "Das Outsourcing-Geschäft wird sich ändern, es muss fließender und flexibler werden."
Wipro-CEO TK Kurien: "Das Outsourcing-Geschäft wird sich ändern, es muss fließender und flexibler werden."

Kurien: Deutschland ist ein großer Markt, den man nicht unterschätzen sollte. Natürlich sind die Partnerstrukturen gefestigt, meine Erwartung ist aber ganz simpel: Alle großen Konzerne haben in den vergangenen Jahren umfangreiche Aufträge vergeben. Doch das strukturierte Auslagerungsgeschäft der Zukunft wird sehr schwer zu verwalten sein, weil sich die Anforderungen verändern und nicht mehr wie in der Vergangenheit auf das Kostensenken konzentrieren. Das Geschäft muss fließend und flexibel betrieben werden. Wir sind eine globale Company und haben schon früh gelernt, uns schnell auf Kundenwünschen einzustellen, auch was die Vertragsgestaltung betrifft.

Unser zweites wichtiges Argument sind unsere Lieferprozesse. Als indischer Provider hat man große Erfahrung mit dem effizienten und zuverlässigen Betrieb von Lieferprozessen gesammelt.

In dem Maße, wie sich der Bedarf der CIOs verändert, wie mehr und mehr Geschäftsanforderungen in den IT-Betrieb einfließen, wie fachlich orientierte Mitarbeiter beim IT-Bezug mitentscheiden, wird Bewegung in die existierenden Partnerbeziehungen kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Räume für neue Anbieter auftun.

Deutsches Center of Excellence für die Fertigungsbranche

CW: Über welchen Zeitraum reden wir?

Kurien: Wir wollen den Markt langfristig besetzen. Dabei geht es nicht um zwei Quartale oder ein Jahr, sondern über Zyklen von zehn oder 15 Jahren. Langfristigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Eine weitere Voraussetzung ist der kulturelle Zugang. Ich bin der Überzeugung, dass wir es nur mit lokalen Führungskräften schaffen können. Unsere Geschäftsführung kooperiert dazu eng mit den deutschen Universitäten. Das Programm bietet Absolventen etwa die Möglichkeit, in Indien zu arbeiten und später zurückzukehren, um dann in Deutschland Führungsaufgaben zu übernehmen. Natürlich gibt es keine Erfolgsgarantie, aber ich bin überzeugt, dass es nur so funktionieren kann.

CW: Auf welche Kundensegmente konzentrieren Sie sich?

Kurien: Deutschland hat eine starke Fertigungsindustrie, das ist der Kern der hiesigen Wirtschaft. Deshalb investieren wir demnächst in ein "Center of Excellence", dass sich mit der Frage beschäftigen wird, mit welchen Tools und Techniken sich die Fertigungsprozesse verändern und verbessern lassen. Wir kooperieren schon lange mit der Industrie und beschäftigen uns damit, wie die Fertigungsprozesse der Zukunft aussehen könnten. Das wird das Thema des zu gründenden, deutschen Kompetenz-Centers sein.

CW: Wo und wann soll das Zentrum entstehen?

Kurien: Die Pläne sind noch nicht konkret. Wie haben große Niederlassungen in München, Nürnberg, Köln und Meerbusch bei Düsseldorf. Grundsätzlich ist Kundennähe wichtig. Deutschland hat die Besonderheit, dass es kein einzelnes Wirtschaftszentrum gibt, wie etwa Paris in Frankreich und London in Großbritannien. Möglicherweise wird es in Meerbusch entstehen, weil wir dort schon die Infrastruktur und Mitarbeiter haben.

CW: Soll dort Forschung und Entwicklung betrieben werden?

Kurien: Vor allem Forschung. Wir suchen Mitarbeiter, die einen guten Zugang zur Branche und ein Auge für die Bedürfnisse der Anwender haben. Das Kompetenz-Center soll eine Strategie verfolgen, die uns einen langfristigen und nachhaltigen Zugang zu der Fertigungsbranche bereitet.

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