Mobility ist mehr als Apps

In vier Schritten zum mobilen Unternehmen

Urs Schollenberger verantwortet seit dem 1. Februar 2014 als Business Leader den Bereich Mobile Enterprise der IBM in der DACH-Region. Davor war er drei Jahre als Enterprise Sales Unit Leader für den Vertrieb, das Gesundheitswesen sowie Industriekunden bei der IBM Schweiz verantwortlich. Schollenberger hält einen Abschluss der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wirtschaft und Business Administration.
Apps können zwar die Grundlage eines mobilen Angebots sein – „Mobile“ bedeutet aber viel mehr: Mobile Unternehmen können sich mit bestehenden Kunden verbinden, anhand von Analytik Einsichten gewinnen und dadurch Kundenservice und -interaktionen verbessern, aber auch interne Strukturen und das Management effizienter gestalten.

Wann haben Sie heute das letzte Mal auf Ihr Smartphone geschaut? Statistisch gesehen vor höchstens sechs Minuten - zwischen Aufwachen und Zubettgehen checken wir etwa 150-mal unser Mobiltelefon. Die Fahrtzeiten des Zuges, die Öffnungszeiten der Bäckerei, das aktuelle Kinoprogramm - all das können wir unterwegs schnell und bequem herausfinden. Doch nicht nur unser Privatleben wird durch die Mobilität bequemer, planbarer, vielseitiger. Auch für die Prozesse und Geschäftsideen in Unternehmen und Behörden eröffnen sich immense Möglichkeiten.

Immer die aktuellen Geschäftszahlen zur Hand zu haben, erleichtert es vielen Mitarbeitern, ihre Aufgabe schneller und besser zu erledigen.
Immer die aktuellen Geschäftszahlen zur Hand zu haben, erleichtert es vielen Mitarbeitern, ihre Aufgabe schneller und besser zu erledigen.
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Dabei stützt sich eine schlüssige und erfolgsversprechende Mobile-Strategie auf vier Kernkomponenten.

1. Schaffen Sie eine Plattform für Entwicklung und Verwaltung

Zentral ist eine Plattform, über die Sie ihre mobilen Lösungen anbieten und verwalten. Erschließen Sie das volle interaktive Potenzial Ihrer Lösungen, indem Sie Apps und Weberfahrung ausbauen und mit Unternehmensanwendungen verbinden. Eine kollaborative Umgebung, die einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess unterstützt, hilft Zeit und Kosten zu sparen. Nur so können Sie in Ihrem Unternehmen das volle Potenzial mobiler Anwendungen ausschöpfen.

2. Integrieren Sie Unternehmensplattformen und Endgeräte

Smartphones und Tablets haben sich im Privatgebrauch absolut etabliert. Deswegen möchten viele Mitarbeiter auch geschäftlich die Geräte nutzen, die ihnen bereits vertraut sind. Unternehmen können von einer gesteigerten Zufriedenheit und Produktivität ihrer Mitarbeiter profitieren, wenn sie die Strategie "Bring your own device" (BYOD) unterstützen.

Jedoch steigen die Anforderungen an das Management: Anwendungen und die Infrastruktur der mobilen Umgebung müssen für die Zusammenarbeit mit der Unternehmensplattformen entwickelt, implementiert, integriert und verwaltet werden, um eine nahtlose Konnektivität und einen reibungslosen Zugriff auf Informationen sicherzustellen. Echtzeit-Transparenz und -Kontrolle auf App-, Geräte- und Netzwerkebene über verschiedenste Gerätetypen und Betriebssysteme hinweg sind wichtig. Gleichzeitig steigen auch die Anforderungen an die IT-Abteilung. Denn BYOD bedeutet auch, dass die Spezialisten Dutzende - wenn nicht gar Hunderte - unterschiedlicher Geräte kennen und beherrschen müssen, statt wie bisher nur eine Hand voll.

3. Sichern Sie mobile Interaktionen ab

Auf keinen Fall zu vernachlässigen ist gerade in diesem Zusammenhang das Thema Sicherheit. Mobile Interaktionen machen Ihr Unternehmen agiler. Sie erhöhen aber gleichzeitig die Anforderungen an den Datenschutz - und somit das Bedürfnis nach mehr Transparenz und stärkerer Kontrolle der mobilen Geräte, um die Compliance sicherzustellen und vertrauliche Daten vor Risiken zu schützen.
Sichern Sie sich gegen Malware und bieten Sie Funktionen für sichere Verbindungen, kontextsensitive, risikobasierte Zugriffskontrolle sowie sicherheitssensitive Applikationen und Anwendungsplattformen. Dabei sollten Sie eng mit Ihrer IT-Abteilung zusammenarbeiten. Denn nur die wissen genau, welche Maßnahmen tatsächlich realisierbar sind und sich auch mit etwaigen BYOD-Richtlinien vereinbaren lassen.

4. Finden Sie heraus, was Ihre Kunden wirklich wollen

Ein Aspekt, der oft zu kurz kommt, aber ungeahnte Vorteile birgt, sind Analytik-Funktionen. Wenn es Ihnen gelingt, mobile Interaktionen aus der Perspektive Ihrer Kunden zu sehen, steigern Sie das Engagement und optimieren nicht nur den Return on Experience, sondern auch Ihr eigenes Geschäftsergebnis. Gehen Sie dem Kundenverhalten auf den Grund - mit zuverlässigen Aufzeichnungen der Benutzererfahrung. Reagieren Sie schneller auf den Markt und messen Sie Ihre Erfolge.

Mobil bedeutet Umsatzplus und bessere Kundenerfahrung

Wenn Sie diese Ratschläge berücksichtigen, werden Sie schnell Verbesserungen bei Ihren internen Arbeitsabläufen sehen und vor allem auch einen schnellen ROI erzielen. Dafür sorgt die deutlich spürbare Verbesserung der Kundenbeziehungen. Denn in der heutigen Zeit erwarten die Kunden bei einem Termin, dass der Firmenrepräsentant alle relevanten Informationen in ihrer aktuellsten Fassung zur Hand hat, um schneller zu einer Entscheidung zu kommen und das Geschäft abschließen zu können. Dies können Unternehmen beispielsweise mithilfe eigener Apps für den Vertrieb erreichen.

Ein Beispiel dafür ist die MAC Mode GmbH aus Wald/Roßbach. Hier haben die Verantwortlichen einen unternehmenseigenen App-Store eingerichtet, über den sie den Vertriebsmitarbeitern eine mobile App bereitgestellt haben. Diese macht relevante Daten aus dem Warenwirtschaftssystem in Echtzeit verfügbar. Dadurch sind die Mitarbeiter wesentlich flexibler und können das Gespräch sehr viel intensiver und effizienter führen. Bei Rückfragen müssen sie den Kunden nicht auf später vertrösten, sondern können prompt die entscheidenden Informationen beisteuern.

Auch die direkte Kundenansprache wird mit mobilen Anwendungen deutlich leichter. Das Unternehmen Rhode & Schwarz nutzt beispielsweise mobile Inhalte, um seine Kunden mit einer App-Version seines Fachmagazins zu versorgen sowie um Produktmanager und Sales-Mitarbeiter über den Entwicklungsstand neuer Produkte auf dem Laufenden zu halten. Das reichhaltige Mobile-Angebot bedarf der Hilfe von fünf unterschiedlichen Plattformen - was ohne Software-Unterstützung extrem aufwändig ist. Durch Multiplattform-Entwicklung kann Rhode & Schwarz diesen Aufwand um 60 Prozent reduzieren.

Aber auch Projekte abseits der Unternehmen können von mobilen Lösungen profitieren, beispielsweise im Bereich Smart Cities. So fand in den Niederlanden in einer Region ein Pilot-Projekt zur Verbesserung des Verkehrsflusses statt. Dabei wurden die digitalen Spuren von Verkehrsteilnehmern und Straßensensoren erfasst und ausgewertet. Mit Hilfe der Informationen konnten Autofahrer so geleitet werden, dass Verkehrsbehinderungen vermieden wurden.

Die Beispiele zeigen, dass die Mobilität in vielen unterschiedlichen Bereichen Vorteile schafft. Unternehmensführer haben das Thema daher auf ihrer Agenda. So zeigte eine Befragung von mehr als 4.000 Managern aus dem C-Level verschiedener Unternehmen weltweit eine klare Richtung an: 84 Prozent der CIOs halten Investments in den Mobile-Bereich für wichtig, um den Kunden näher zu kommen, 94 Prozent der CMOs bezeichnen Apps als wichtigen Teil ihrer Marketingpläne.

Das Thema Mobilität hat mittlerweile ein Reifestadium erreicht, in dem auch vermehrt industriespezifische Lösungen auf dem Markt erscheinen. Laut Juniper Research werden bis 2017 rund eine Milliarde Bankkunden ihre Transaktionen mobil tätigen. Research2Guidance erwartet im selben Zeitraum rund 26 Milliarden Dollar Umsatz im Bereich mobile Gesundheitslösungen.
Hinzu kommt, dass ein baldiger Durchbruch auf dem Mobile-Payment-Markt erwartet wird. Nach Bain & Company werden 2015 mehr als 900 Millionen Menschen Zahlungen in einer Gesamthöhe von rund einer Billionen Dollar mobil durchführen. Zudem erscheinen auch immer mehr branchenspezifische Apps für das B2B-Umfeld.

Verantwortliche in Unternehmen haben also mittlerweile keinen Grund mehr, das Thema Mobilität und Strategieentwicklung nicht auf ihre Agenda zu setzen. (bw)