Web

 

In Deutschland sind 130.000 IT-Arbeitsplätze durch Offshoring bedroht

19.02.2004
EDS' Beratungssparte A.T. Kearney hat in einer aktuellen Studie ermittelt, dass Offshoring in Deutschland in den kommenden Jahren bis zu 130.000 Software- und IT-Service-Jobs kosten könnte.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine Studie von A.T.Kearney malt die Zukunft der deutschen IT-Arbeitsplätze in düsteren Farben. Wegen des Kostendrucks würden deutsche Unternehmen künftig verstärkt das Thema Offshoring, also die Verlagerung von Tätigkeiten in andere Länder vorzugsweise in Osteuropa und Indien, nutzen, um ihre Personalausgaben zu reduzieren. Im äußersten Fall, so die Erkenntnisse der Management-Berater aus Düsseldorf, sind hierzulande 130.000 IT-Arbeitsplätze durch die Auslagerung von Unternehmensfunktionen in Niedriglohnländer bedroht.

Dirk Buchta, bei A.T.Kearney europaweit verantwortlich für Fragen der strategischen IT-Planung und Leiter der Studie "IT-Offshoring und Implikationen für den Standort Deutschland", sagte im Gespräch mit Computerwoche.de, dieses so genannte Worst-Case-Szenario sei nicht unrealistisch. Man habe im Oktober und November 2003 mehr als 40 Unternehmen aller Größenordnungen aus dem Finanzdienstleistungsbereich, der Logistik- und der IT-Dienstleistungsbranche, aus dem produzierenden Gewerbe, der Energiewirtschaft, der Konsumgüterherstellung, sowie aus Handel, der Telekommunikation, aus der Pharmaindustrie sowie dem öffentlichen Sektor in Deutschland und in Europa befragt. Die hierbei gefundenen Resultate zu den Erfahrungen mit IT-Offshoring und der grundsätzlichen Einstellung zu diesem Thema habe A.T.Kearney hochgerechnet. Ergebnis: In den kommenden drei Jahren kann man davon ausgehen, dass der Offshore-Anteil an deutschen IT-Budgets und Arbeitsplätzen von jetzt unter fünf auf rund 20 Prozent anwachsen wird.

Buchta: "Wenn hier die Politik und die Industrie sowie Forschung und Ausbildung nicht gegensteuern, wird dies einen Verlust von über 130.000 Arbeitsplätzen allein im Bereich Software und IT-Services zur Folge haben." Nicht genug damit: Zunehmend würden auch Call Center oder ganze Finanzbuchhaltungen in Niedriglohnländer ausgelagert. Dell oder die Lufthansa beispielsweise betreiben solch ein Call-Center-Offshoring bereits.