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IBM schließt mit MRO-Kauf Lücke im Service-Desk-Angebot

04.08.2006
Eine der ältesten Softwarefirmen verhilft Big Blue zu einem wichtigen, bisher fehlenden Bauteil im Angebot für das IT-Service-Management.

Den Anteilseignern von MRO Software Inc. bietet IBM 25,80 Dollar pro Aktie, was auf einen Kaufpreis von rund 740 Millionen Dollar hinausläuft. Das ist etwa das 3,5-fache des Jahresumsatzes von circa 200.000 Dollar, den das Übernahmeziel derzeit erwirtschaftet. Das Softwarehaus wurde 1968 gegründet. Es ist ein Ableger der Firmengruppe MRO, deren Kürzel für Maintenance, Repair und Operations stehen. Die Muttergesellschaft betreibt vor allem Asset-Management für Hardware wie Maschinen, Fahrzeuge und Pipelines von Industrieunternehmen. Ihr Softwareableger trägt zum Gesamtumsatz etwa zehn Prozent bei. IBM und MRO Software gehen davon aus, dass weder die Aktionäre noch die Börsenaufsicht den Kauf verhindern werden. Daher soll die Übernahme noch im letzten Quartal 2006 zum Abschluss kommen.

MRO Software hat seine Produkte für das Asset-Management in der letzten Zeit um den Bereich Service Desk erweitert. Das Portfolio basiert auf J2EE-Plattformen und ist SOA-fähig. Außerdem bietet das Unternehmen Beratungsdienste an. Big Blue will die Produkte unter das Dach der Tivoli-Gruppe nehmen, während der Dienstleistungsbereich in IBM Global Services (GS) integriert werden soll. Es ist noch nicht bekannt, ob und unter welchem Namen die MRO-Produkte weitergeführt oder ob ihre Techniken in neue IBM-Lösungen integriert werden.

Nach Angaben von Chip Drapeau, President und Chief Executive Officer von MRO, passt sein Unternehmen gut unter das große blaue Dach. Ihm zufolge hat IBM GS im Rahmen einer 1996 begonnenen Kooperation in 125 Projekten mit MRO zusammengearbeitet. Die Dienstleistungstochter von Big Blue ist MROs wichtigster Integrationspartner.

Dagmar Krause-Gross, Marketing-Managerin bei IBM-Tivoli, erklärte: "Da die Angebote von MRO auf einer modernen Architektur aufbauen, können sie leicht in die SOA-basierenden Funktionen von IBM-Software wie Business Process Management und IT-Service-Management integriert werden." Indirekt spricht die Managerin damit auf eine Lücke im blauen Portfolio an. Denn erst im Juni 2006 hat IBM die Produktfamilie für IT-Service-Management (ITSM) vorgestellt (siehe: "IBM macht sich Itil-fein"). Es besteht aus einem umfassenden - wenn auch noch nicht komplett lieferbaren - Paket aus Modulen für das "Change- and Configuration-Management" und verschiedenen dedizierten "Process-Managern".

Auffallend an ITSM ist bisher das Fehlen eines Moduls für den Service Desk. IBM erklärte das mit der Absicht, sich aus diesem Markt heraushalten zu wollen. Denn es gebe insbesondere für den Itil-Prozess Helpdesk schon zahlreiche Produktangebote, und die Anwender in Europa und den USA hätten entsprechende Lösungen installiert. Schon damals gab es Spekulationen, IBM könnte früher oder später gezwungen sein, durch eine Firmenübernahme die Lücke im Portfolio für Service-Management zu schließen. Denn Anwender in aufstrebenden Märkten wie China, Indien und Südkorea haben meist noch keine Service-Desk-Lösungen implementiert. Und auch hierzulande könnten Kunden ein IBM-Produkt einer bereits bestehenden Lösung vorziehen, weil sie ein Angebot aus einer Hand vorziehen. Denen kommt IBM mit der MRO-Übernahme jetzt entgegen. (ls)