Web

 

IBM macht mehr Umsatz und weniger Gewinn

17.01.2003
Vor allem dank der Übernahme der PwC-Servicesparte konnte IBM im vierten Quartal zulegen. Der Nettogewinn ging allerdings durch Sondereinflüsse im Jahresvergleich um mehr als 50 Prozent zurück.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat dank Zuwächsen im Servicegeschäft im vierten Quartal seines Ende Dezember abgeschlossenen Geschäftsjahres 2002 zwar die Erwartungen der Analysten übertroffen, allerdings brach der Nettogewinn des IT-Konzerns im Jahresvergleich um 56 Prozent ein (der Gewinn aus dem fortlaufenden Geschäft, also beispielsweise ohne die hohen Verluste des inzwischen verkauften Festplattengeschäfts, fiel allerding nur um 24 Prozent). Verkompliziert wird das Ergebnis durch Auswirkungen der firmeneigenen Pensionskasse und der 3,5 Milliarden Dollar teuren Übernahme der PwC-Beratungssparte.

Für das vierte Quartal wies IBM gestern nach Börsenschluss einen Nettogewinn von 1,02 Milliarden Dollar oder 59 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu 2,33 Milliarden Dollar oder 1,33 Dollar je Anteilschein ein Jahr zuvor. Der Umsatz (hier sind die inzwischen eingestellten Aktivitäten nicht eingerechnet) stieg von 22,14 Milliarden Dollar um sieben Prozent auf 23,68 Milliarden Dollar und übertrag damit die Erwartungen der Analysten. Der Proforma-Gewinn für das letzte Vierteljahr 2002 beträgt 1,34 Dollar pro Aktie nach 1,46 Dollar im Berichtszeitraum des Vorjahres und übertrifft damit die Prognose der Analysten, die laut Thomson First Call mit 1,30 Dollar je Anteilschein gerechnet hatten.

Die Servicesparte konnte ihren Umsatz dank der Verstärkung durch die PricewaterhouseCoopers-Mannschaft um 17 Prozent steigern, lieferte aber aufgrund von mehr als 600 Millionen Dollar Sonderbelastungen für die Übernahme weniger Gewinn ab. IBM schloss neue Serviceverträge im Wert von mehr als 18 Milliarden Dollar ab, doppelt so viel wie im Vorquartal.

Das Rechnergeschäft entwickelte sich erfreulich; sowohl mit Servern als auch mit PCs setzte der Armonker Konzern mehr um und war profitabler als vor Jahresfrist. Die Softwaresparte lieferte trotz stagnierender Einnahmen ebenfalls einen höheren Profit ab. Im nichtoperativen Bereich - darunter fallen unter anderem Lizenzeinnahmen oder Erlöse aus dem Verkauf von Immobilien und Beteiligungen - gingen die Einnahmen allerdings um mehr als 400 Millionen Dollar zurück.

Regional war laut Finanzchef John Joyce im Amerika der US-Markt am stärksten, in Europa machen dem Konzern vor allem Deutschland und Großbrittanien Sorgen. In der asiatisch-pazifischen Region schwächele der japanische Markt (hier macht IBM traditionell das meiste Geschäft) weiterhin, dafür laufe es in China und Südkorea besser.

Für das gesamte Geschäftsjahr gingen die Einnahmen im Vergleich zu 2001 von 83,07 Milliarden Dollar um 2,3 Prozent auf 81,19 Milliarden Dollar zurück. Der Rückgang beim Nettoergebnis von 7,71 Milliarden Dollar um 54 Prozent auf 3,58 Milliarden Dollar fiel um einiges deutlicher aus. CEO (Chief Executive Officer) Samuel Palmisano nannte 2002 deswegen "eines der schwierigsten Jahre im Geschäft". Für dieses Jahr rechnen Analysten mit einem Gewinn von immerhin wieder 4,32 Dollar pro Aktie, was aber immer noch unter dem Rekordwert aus 2001 liegt.

Joyce erklärte, der Consensus für das laufende erste Quartal laute auf zehn Prozent mehr Umsatz und neun Prozent Gewinnplus, und mehr erwarte auch er selbst nicht. Für das Gesamtjahr 2003 wünscht sich der CFO (Chief Financial Officer) eine anziehende Nachfrage nach Informationstechnik, damit IBM sein angepeiltes "hohes einstelliges" Umsatzplus und zehn Prozent Gewinnwachstum erreiche. Diese Steigerungen seien aber in jedem Fall machbar, so Joyce, denn IBM werde sicher dem Wettbewerb weitere Marktanteile abnehmen.

Auch dank weiterer Kostensenkung werde Big Blue beim Gewinn zulegen und damit den geringeren Profit aus der Pensionskasse auffangen. Die Rate of Return aus dem Pension Fund hatte IBM im vergangenen Jahr aufgrund der schwierigen Situation an den Kapitalmärkten von zuvor 9,5 auf acht Prozent gesenkt, was laut Joyce den Gewinn für 2002 um mehr als 500 Millionen Dollar schmälert. (tc)