CW-Kolumne

IBM agiert zu vorsichtig

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Ungefähr im Jahr 2034 wird es keine öffentlich gehandelten IBM-Aktien mehr geben, rechnet das Wall Street Journal spaßeshalber in dem interessanten Beitrag "Does IBM Love or Hate Itself?" hoch.

Die Frage ist so gestellt, weil IBM zu den vielen "reiferen" Unternehmen gehört, die Jahr für Jahr im Rahmen ausgefeilter Rückkaufprogramme große Mengen eigener Aktien einsammeln und so Kurspflege betreiben. Wenn das Journal richtig rechnet, wurden 1993 rund 2,3 Milliarden IBM-Aktien gehandelt, jetzt sind es nur noch 1,1 Milliarden. Warum ist das interessant? IBM hat vergangene Woche seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal und das vergangene Fiskaljahr herausgegeben. Die Erträge sind – auch dank Restrukturierungen und Personalabbau – sehr gut, die Umsatzeinbußen indes beängstigend.

Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE
Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE

Das Hardwaregeschäft ist schwer eingebrochen, IBM verkauft die x86-Serversparte jetzt an Lenovo. Der Servicesektor schwächelt, und nur die profitable Softwaresparte wächst noch um zwei Prozent. Sicher, IBM kann nichts dafür, dass Unternehmen ihre Hardwarelandschaften virtualisieren und dann auch noch auf billige Standardserver setzen, an denen kaum zu verdienen ist. Im Softwaremarkt muss Big Blue wie alle großen Anbieter den Wechsel vom On-premise- zum SaaSParadigma verkraften. Und der Services- Einkauf ist auf Anwenderseite professioneller und kleinteiliger geworden – für Provider damit schwieriger.

Trotzdem stellt sich die Frage, warum IBM seit 2007 sage und schreibe 60 Milliarden Dollar in eigene Aktien investiert hat, anstatt Cloud-Rechenzentren zu bauen, die aufstrebenden Märkte in Asien zu erschließen – hier gingen die Einnahmen um zwölf Prozent zurück – oder strategische Übernahmen einzufädeln? Während dessen drehen nun Amazon und Google das ganz große Cloud-Rad. Es stimmt ja, auch IBM investiert und baut Data Centers. Doch angesichts der gegenwärtigen Umwälzungen im Markt müsste Big Blue viel mehr riskieren, um den investitionsfreudigen Herausforderern Paroli zu bieten.