Chinesischer TK-Ausrüster auf dem Vormarsch

Huawei - ein Riese erwacht

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
In nur einem Jahrzehnt hat sich der chinesische Netzausrüster vom Nachahmer zum Technologievorreiter entwickelt.

Wer einen Besuch bei Huawei Technologies unternimmt, lernt schnell, in anderen Größenordnungen zu denken: Die Hauptniederlassung des Telco-Lieferanten in Shenzhen macht einen eigenen Stadtteil der südchinesischen Millionenstadt aus. Nach dem Überqueren der Campus-Grenze sind mit dem Auto noch gute zehn Minuten durch Forschungs- und Produktionseinrichtungen zu fahren, bis man das Hauptgebäude erreicht.

Foto: Huawei

Mindestens ebenso beachtlich wie die schiere Größe des chinesischen Hightech-Konzerns, der nicht nur in Shenzhen, sondern auch in anderen Provinzen und Ländern Forschungs- und Produktionszentren unterhält, ist dessen fast epidemisches Wachstum. 1988 mit Hilfe eines Staatskredits über rund 8,5 Millionen Dollar von einem Offizier der chinesischen Befreiungsarmee als Distributor von importierten Telefonanlagen gegründet, eignete sich die Company schnell Kenntnisse über deren Bau an und weitete dann das Produktportfolio und damit auch die Umsätze konsequent aus. 1999 verbuchte Huawei bereits Einnahmen von rund 970 Millionen Dollar, drei Jahre später erreichte der Umsatz 2,7 Milliarden Dollar. Diese Entwicklung ist umso beachtlicher, wenn man sich erinnert, dass sich nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2000/2001 die gesamte TK-Industrie auf Schrumpfkurs begeben hatte.

Raketenartiger Aufstieg

Doch nicht nur ob des raketenartigen Aufstiegs klingelten bei der angeschlagenen Konkurrenz die Alarmglocken, sondern auch wegen der vermeintlichen Mittel, mit denen das Wachstum erzielt wurde: Etliche Male wurde der chinesische Riese beschuldigt, Produkte von Wettbewerbern nachgebaut zu haben. Zumindest in einem Fall räumte Huawei 2003 dann auch ein, 1999 versehentlich Teile von Ciscos Router-Software in den eigenen Produkten verwendet zu haben, und nahm im Anschluss die betroffenen Router vom Markt.

Foto: Huawei

Angesichts der wachsenden Bedeutung des internationalen Geschäfts ist das Unternehmen aber inzwischen davon abgekommen, Produkte anderer Anbieter plump zu imitieren. Stattdessen zielen die Chinesen darauf ab, sich über Partnerschaften und Übernahmen zusätzliches Know-how anzueignen sowie Portfoliolücken zu schließen. Zusätzlich haben sie in jüngster Vergangenheit ihre Forschungsaktivitäten aufgebaut: Mittlerweile arbeiten 43.000 Mitarbeiter oder 46 Prozent der Huawei-Belegschaft in Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig werden zehn Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert - 2009 hatte das Unternehmen immerhin knapp zwei Milliarden Dollar dafür bereitgestellt, 27 Prozent mehr als im Vorjahr.