Industrie 4.0

Hannover Messe eröffnet mit warnenden Worten

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Hannover Messe Industrie 2014 hat mit ihrem zentralen Thema "Industrie 4.0" eröffnet. Zum Start Messestart gab es mahnende Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der IT-Branchenverband Bitkom beziffert das Potenzial der vernetzten Fertigung auf 78 Milliarden Euro.

In einer Phase des wirtschaftlichen Wachstums in Deutschland rief Merkel die hiesige Wirtschaft zu mehr Innovationen auf. In ihrer Eröffnungsrede am Vortag des Messestarts wies sie darauf hin, dass "90 Prozent des Wachstums außerhalb von Europa stattfinden", so die Kanzlerin. Damit sich deutsche Firmen im weltweiten Wettbewerb weiter behaupten können, sei mehr Innovationskraft gefordert. Europa dürfe die vierte Revolution nicht verpassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Hannover Messe Industrie 2014: "Die deutsche Wirtschaft muss sich sputen."
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Hannover Messe Industrie 2014: "Die deutsche Wirtschaft muss sich sputen."
Foto: Deutsche Messe AG

Damit sprach sie das zentrale Thema der Hannover Messe Industrie an. Viele Aussteller zeigen aktuelle Entwicklungen im Bereich Industrie 4.0. Hier, so die Befürchtung der Kanzlerin, drohe Deutschland und Europa den Anschluss an die schnelle, weltweite Entwicklung zu verlieren: "Wir müssen uns sputen", warnte Angela Merkel anlässlich des Branchentreffens in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

1,7 Prozent Wachstum allein durch Industrie 4.0

Neue Zahlen des Branchenverbands Bitkom zeigen, worum es geht. In Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat der Verband erstmals das durch Industrie 4.0 initiierte Wachstum errechnet und die Zahlen auf der Messe vorgestellt. Demnach kann die deutsche Wirtschaft auf ein jährliches Wachstum von 1,7 Prozent hoffen. "Durch Industrie 4.0 kann in diesen Branchen bis 2025 eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von rund 78 Milliarden Euro generiert werden", zitierte Bitkom-Präsident Dieter Kempf aus der Studie.

Zur Wertschöpfung tragen neue Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen bei. Aber auch Verbesserung in den Produktionsprozessen helfen, die Entwicklung der Wirtschaft zu beflügeln.

Die Erhebung identifiziert sechs Branchen, die von einer vernetzten und sich selbst steuernde Fertigung besonders profitieren. Laut Bitkom und Fraunhofer sind dies

  • der Maschinen- und Anlagenbau,

  • die Automobilindustrie,

  • die Elektrotechnik,

  • die Landwirtschaft,

  • die ITK-Industrie sowie

  • die chemische Industrie.

Der ITK-Branche traut die Bitkom-Erhebung ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 14 Milliarden Euro zu. Jahr für Jahr könnten die Anbieter um 1,2 Prozent allein durch Industrie-4.0-Produkte und -Dienstleistungen zulegen. Wichtigster Abnehmer für Leistungen ist das verarbeitende Gewerbe, in dem die deutschen IT-Anbieter im Durschnitt jeden fünften Euro verdienen. Selbst der in Deutschland darbenden Hardwarebranche könnte Industrie 4.0 wieder auf die Sprünge helfen. Nicht mit einem Mehrabsatz von Servern und PCs, sondern mit der Fertigung und dem Verkauf der wichtigen Embedded Systems, die in einer vernetzten Fertigung eine Schlüsselrolle für die Datenerfassung und Maschinensteuerung spielen.