CW-Kolumne

Grünes Licht für die blaue Karte

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Wenn die Regierungskoalition ein Gesetz verabschiedet und sich die Opposition - abgesehen von der Linken - der Stimme enthält, dann kann daran nicht viel verkehrt sein. Und so verhält es sich mit der vom Bundestag beschlossenen Blue-Card-Regelung, die einfachere Zuzugsbestimmungen und niedrigere Einkommensgrenzen für ausländische Fachkräfte festschreibt .
Heinrich Vake, Chefredakteur COMPUTERWOCHE
Heinrich Vake, Chefredakteur COMPUTERWOCHE

Eine Sensation ist die Blue Card wahrlich nicht: Seit Mai 2009 gibt es eine EU-Verordnung, die alle Mitgliedsstaaten auffordert, den Zuzug von High Potentials aus Drittländern zu regeln. Deutschland hat sich also drei Jahre Zeit gelassen, um endlich ein Gesetz zu verabschieden, das angesichts der demografischen Entwicklung im Land und der anhaltend geringen Zahl an Informatik-Absolventen längst überfällig war.

Natürlich geht so etwas nicht ohne politische Nebengeräusche über die Bühne. Die SPD bezeichnet die Mindestgrenze von knapp 35.000 Euro, die ein ausländischer IT-Profi in Deutschland verdienen muss, um Anspruch auf die Karte zu haben, als "Lohn-Dumping für Akademiker" - was, mit Verlaub, ziemlich absurd ist. An allen Ecken und Enden fehlen derzeit IT-Profis, insbesondere mittelständische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben Schwierigkeiten, geeignete Leute zu finden. Da gilt es, die Latte niedrig zu legen, damit möglichst viele qualifizierte Professionals ins Land kommen.

Die Grünen schlugen vor, dass nicht gute Deutsch-, sondern vielmehr EnglischKenntnisse verlangt werden müssten, da in der IT doch nur noch Englisch gesprochen werde. Das mag vielleicht für die großen Hersteller gelten, nicht aber beispielsweise für deutsche Kliniken oder Behörden, die im Zweifel einen viel dringenderen Bedarf an IT-Nachwuchs haben.

Am Ende sind es also nur die typischen Mäkeleien der Opposition, ohne die wohl in keiner Demokratie der Welt Gesetze verabschiedet werden können. In Wirklichkeit können vermutlich alle Parteien sehr gut mit der Blue Card leben. Bleibt zu hoffen, dass sie zu Entlastung am Arbeitsmarkt führt.