Gründer: Beim zweiten Mal wird alles besser

12.04.2005
Von Syra Thiel
Sie sind das erste Mal gescheitert, haben die Lehren daraus gezogen und nehmen einen neuen Anlauf - Existenzgründer, die die zweite Chance nutzen, können auf einen unbezahlbaren Erfahrungsschatz aufbauen.

Hier lesen Sie ...

  • wie drei Gründer es beim zweiten Start geschafft haben;

  • was sie aus den Fehlern der ersten Gründung gelernt haben;

  • welche Tipps sie künftigen jungen Unternehmern weitergeben möchten.

"Als Verlierer habe ich mich nie gefühlt. Ich war mir sicher, dass ich es durchziehen kann." Auch nach dem Scheitern des ersten Anlaufs glaubte Jan Mirko Hüllemann, dass seine Idee, eine virtuelle Kasse für Internet-Händler aufzubauen, funktioniert. Nach Ansicht des 35-Jährigen waren Verzögerungen und interne Streitigkeiten beim ersten Versuch wesentlich auf äußere Umstände zurückzuführen. Im August 2003 hatte der studierte Volkswirt mit zwei Partnern die Heidelberger Payment gegründet. Die drei hinterlegten Stammkapital und warteten auf die Genehmigung der Behörden.

Jörg Wurzer tankte nach dem Scheitern Optimismus in Kalifornien.Aufgrund des sensiblen Geschäftsbereiches zog sich die Prüfung durch die Ämter hin. Um aufs Tempo zu drücken wurde ein Anwalt eingeschaltet. Das kostete die Jungunternehmer zusätzlich 12 000 Euro, brachte aber trotzdem erst Ende November 2003 die Genehmigung - zu einem Zeitpunkt, als aufgrund der schwindenden finanziellen Ressourcen die Spannungen zwischen den Gesellschaftern auf einem Höhepunkt angekommen waren. Im Januar 2004 trennten sich die Gründer. Hüllemann suchte sich zwei neue Partner und führte mit diesen ab Februar 2004 die Firma weiter, zu deren Kunden mittlerweile bekannte Namen zählen.

Die Erfahrungen mit seinen vorherigen Partnern haben Hüllemann geprägt. Bei seinem zweiten Anlauf achtete er mehr darauf, dass die Mitstreiter neben den fachlichen Qualifikationen auch menschlich zu ihm passten. "Die jetzige Mannschaft ist ein absoluter Traum. Wir ticken ähnlich und verfolgen die gleichen Ziele. Alle Teammitglieder haben langjährige Branchenerfahrung und denken unternehmerisch."

Aufgegeben hat auch Jörg Wurzer nie. Im Jahr 2000 verfolgte er mit mehreren Partnern eine Strategie, die ganz der Wachstumseuphorie jener Zeit entsprach. "Wir waren ein starkes Management und wollten schnell expandieren - auch über Fremdkapital." Das konnten sie nach dem Platzen der Blase am Neuen Markt Mitte 2000 nicht mehr. Ihr Team zerfiel. Das ausbleibende hohe Einkommen und die schwindenden Rücklagen ließen die Gesellschafter einen nach dem anderen aussteigen. Ein Jahr später wurde ihre Firma I-Office liquidiert.

Gründer lernen beim zweiten Versuch meistens aus alten Fehler.Foto: Dynamic Die anfängliche Enttäuschung - Wurzer hätte damals gern noch weitergemacht - verarbeitete der damals 33-Jährige, indem er neuen Mut in Kalifornien tankte. "In den USA wird das Scheitern einer Existenzgründung als eine Chance gesehen, bei null zu beginnen. Hier wird es leider als Ende begriffen", so Wurzers ernüchternde Bilanz. Emotional gestärkt kam er nach Deutschland zurück. Der promovierte Philosoph entschied sich nach einigen Wochen, einen neuen Anlauf zu wagen. Er kratzte sein letztes Geld zusammen und suchte über das Internet neue Partner für seine Idee. Bei Christian Magnus und Christian Trutz stimmte auch die Chemie, und die drei entwickelten zusammen den "IQser", eine Software, die sämtliche elektronischen Quellen wie E-Mails, Daten und Datenbanken auf dem Rechner des Benutzers nach Begriffen durchsucht.

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