IoT-Entwicklerkonferenz

Googles IoT-Vision basiert auf dem Open-Source-Gedanken

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Auf seinem Ubiquity IoT Developer Summit hat Google präsentiert, wie der Suchmaschinenprimus den Internet-of-Things-(IoT-)Markt prägen will. Außerdem will der Konzern im Bereich Virtual Reality Gas geben.

Open-Source-Lösungen und Designs, die Entwicklern beim Erstellen von ersten Prototypen und in Pilotprojekten weiterhelfen sollen, begründen die IoT-Strategie von Google. Das Unternehmen hat seine Vorstellungen von IoT-Standards und Open-Source-Frameworks präsentiert und dabei ausgeführt, dass Googles Investitionen in diesem Markt vor allem in die Bereiche Machine Learning, Cloud und Geo-Location-Technologien fließen sollen.

Projekt Tensorflow

Wenn ein intelligentes Thermostat im vernetzten Heim dessen Besitzer automatisch auf dem Smartphone alarmiert, dass die Temperatur im Haus einen bestimmten Grenzwert unter- oder überschritten hat, dann steckt meistens eine "If-This-Then-That"-(ITTT-)Regel dahinter. Für einfache IoT-Lösungen funktionieren solche ITTT-Regeln recht gut, doch geht es um große, komplexe Systeme, stoßen sie schnell an ihre Grenzen. Google hat deshalb das Open-Source-Projekt "Tensorflow" ins Leben gerufen, in dessen Mittelpunkt eine Machine Learning Library steht. Entwickler sollen hier Tools erhalten, mit denen sie große, intelligente Netze aus Gegenständen bauen können - zum Beispiel Verkehrsflusssysteme für Großstädte.

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Eddystone für Indoor-Navigation

Seit mehr als zehn Jahren investiert Google bereits in Outdoor-Geolocation-Techniken. Entwickler erhalten APIs, um ihre Apps mit Lokalisierungs- und Navigationsfunktionen anreichern zu können. Mit "Eddystone" bringt Google diese Lokalisierungstechnologien nun auch in die Innenräume. Diese lassen sich exakt vermessen, Gegenstände können zentimetergenau lokalisiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei eine quelloffene Beacon-Technik, die - vergleichbar mit iBeacon von Apple - den Bluetooth-Low-Energy-(LE-)Standard nutzt. Bislang kann Google 20 Unternehmen nennen, die Eddystone-Beacons herstellen.

Die Beacons sind kleine Sensoren, die ausschließlich senden können und in einem bestimmten Frequenzbereich in festzulegenden Intervallen kleine Datenpakete (Frames) verschicken. Diese sind mit Erkennungsmerkmalen wie IDs oder Internet-Adressen ausgestattet und werden von Mobilgeräten mit entsprechender App empfangen und identifiziert. Durch die Ortung der Signale kann das mobile Endgerät räumliche Orientierung herstellen, so dass in geschlossenen Räumen - auch in Kaufhäusern, Konzerthallen oder Fußballstadien - eine genaue Navigation möglich wird.

Google will die auf Eddystone-Beacons gespeicherten Informationen für App-Entwickler in einem gigantischen zentralen Cloud-basierten Verzeichnis ablegen. Geräte mit Android- oder iOS-Betriebssystem können mit dieser Registry Bedeutung, Kontext oder Lokalität von Beacons erkennen. So lassen sich beispielsweise Projekte umsetzen, wie es die Stadt Portland realisiert hat: Dort wurden Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrssystems mit Beacons ausgestattet. Fahrgäste mit einem Android-Phone erhalten an jeder der insgesamt 87 Haltestellen eine Push-Mitteilung auf ihr Smartphone, mit dem Hinweis, wo sie sich gerade befinden und wann exakt die nächsten Züge eintreffen.

Brillo und Weaver als IoT-Basis

Schon im Mai 2015 hatte Google das Android-basierte Embedded-OS "Brillo" vorgestellt. Zusammen mit dem Kommunikationsprotokoll "Weave" stellt das IoT-Betriebsystem das Herzstück von Googles IoT-Architektur dar. Brillo unterstützt verschiedene Hardwarearchitekturen, hat bereits eine Vielzahl von Android-Entwicklern um sich geschart und bietet unter anderem ein Sicherheits-Framework, um Apps vor Exploits zu schützen und sichere Betriebssystem und App-Updates zu garantieren.

Vinton Cerf, bekannt als einer der Väter des Internet und heute "Chief Internet Evangelist" bei Google, warnt davor, dass Mängel bezüglich Kompatibilität, Sicherheit und Privacy die größte Bedrohung für das Internet of Things seien. Zudem seien Standards zwingend erforderlich: Das Internet der Dinge könne nicht entstehen, wenn Millionen von Drehkreuzen gebraucht würden, um inkompatible Inseln oder Sensorknoten zu verbinden. Zudem seien sichere Updates von Apps und Betriebssysteme unerlässlich.

Sensordaten in der Cloud

Cerf betont die Wichtigkeit Sensordaten zentral vorzuhalten - so wie es Google mit seinem Cloud-Verzeichnis anstrebt. Das IoT sei noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, in der Industrie sei das Thema noch kaum angekommen. Auf der Basis der Open-Source-Lösungen von Google könnten Entwickler nun beginnen, Produkte zu bauen - auch wenn sie dabei eine Lernkurve durchlaufen müssten und manche Technologie noch nicht ausgereift sei.

Virtual Reality wird bei Google ein Schwerpunkt

Google hat nicht nur seinen Fahrplan in Sachen Internet of Things vorgestellt, sondern auch deutlich gemacht, dass man künftig auf Techniken rund um Virtual Reality (VR) einen Entwicklungsschwerpunkt legen möchte. Deshalb wurde der bisherige Chef des Product Management Teams, Clay Bavor, zum Vice President of Virtual Reality ernannt. Bavor hatte zuvor einigen der populärsten Google-Produkte zu großer Popularität verholfen, darunter Gmail, Google Docs und Google Drive.

Clay Bavor ist der neue Vice President Virtual Reality bei Google.
Clay Bavor ist der neue Vice President Virtual Reality bei Google.

Wie "Re/Code" berichtet, wird Diane Greene Bavors Nachfolgerin als Product -Management-Chefin. Sie sitzt im Verwaltungsrat von Google und hat zuletzt das Cloud-Business des Konzerns mitverantwortet. Greene war mit der Übernahme des Cloud-Software-Unternehmens Bebob Technologies zu Google gekommen. Die Google-Mutter Alphabet hatte dafür 380 Millionen Dollar in Aktien bezahlt. Zum Übernahmezeitpunkt gab es Spekulationen, dass Google nicht nur Bebob übernehmen, sondern vor allem dessen Gründerin für eine Topposition im Konzern anheuern wollte.

Googles Engagement rund um Virtual Reality sehen Marktbeobachter als Versuch, Wettbewerber wie Facebook nicht davonziehen zu lassen. Mit der VR-Konsole Oculus Rift, die in Kürze in den Verkauf gehen soll, hatte dessen CEO Mark Zuckerberg die Latte in diesem jungen Markt hoch gelegt. Doch auch Google war nicht untätig: Im vergangenen Herbst kündigte das Unternehmen an, Youtube werde künftig auch VR-Vidoes bringen, die Nutzer mit einem Smartphone und Googles "Cardboard-Viewer" konsumieren könnten.

Gartner-Analyst Brian Blau traut Google im VR-Markt Einiges zu. "Man kann sagen, Google hat einen Vorsprung, der auf die frühen Erfahrungen mit Google Glass und den Erfolgen mit Cardboard zurückzuführen ist." Der Markt befinde sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. (hv)