Open Source hinter verschlossenen Türen

Google verprellt Android-Entwickler

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Software-Entwickler für die Linux-basierende Mobilfunk-Plattform Android sind verärgert, weil Google Updates des Software Development Kits (SDK) nur einer kleineren Gruppe zur Verfügung gestellt hat - und erwägen, sich nun verstärkt dem iPhone und anderen - bereits existierenden - Plattformen zuzuwenden.

Über vier Monate ist es her, dass Google den Entwicklern zuletzt eine überarbeitete Version seines SDK für die mobile Android-Plattform bereitgestellt hat. Nicht allen, allerdings: Während sich die breite Masse mit einer von Bugs geplagten und veralteten Version herumplagen, haben die 50 Gewinner der ersten "Android Developer Challenge" heimlich eine aktuellere Version des SDK erhalten.

Foto: Google/Android

Publik wurde die Sache durch eine Mitteilung von Google-Mitarbeiter David McLaughlin, wonach Version 84853 des Android SDK auf einer privaten Website der Android Developer Challenge zum Download bereit stehe. McLaughlin entschuldigte sich später dafür, die für 50 Teilnehmer der zweiten Runde des Wettbewerbs gedachte Mitteilung an einen größeren Kreis von Adressaten geschickt zu haben - was den Ärger in der weiteren Entwickler-Community verständlicherweise noch größer machte. Jetzt ergebe alles einen Sinn, schrieb ein Entwickler im Android-Forum: "Sie veröffentlichten also private SDK-Releases, während sich der Rest von uns mit einem Berg von Bugs der über vier Monate alten Version herumplagen mussten." Ein anderer Entwickler warf die Frage auf, wie viele sich hinter Android gestellt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass sich Google nur um die Top 50 kümmert. Google hat inzwischen bestätigt, dass es den Finalisten des Entwickler-Wettbewerbs Android Developer Challenge SDK-Updates angeboten hat - allerdings nur zu Testzwecken. "Die Finalisten helfen uns dabei, die letzte Version des SDK zu prüfen, bevor wir es in den kommenden Wochen weltweit freigeben," erklärte Google via E-Mail.

Mit seinem Verhalten riskiert Google zunehmend, dass das zunächst hohe Interesse von Entwicklern an Android verfliegt - zumal aktuell bereits funktionierende Plattformen wie das iPhone locken. Googles Android hatte nach dem Launch auch starke Aufmerksamkeit erregt, sorgt nun jedoch primär für negative Schlagzeilen wegen des verspäteten Starts - neusten Gerüchten zufolge will Google nun sogar ein eigenes "Googlephone" auf den Markt bringen, um dem Apple iPhone kurzfristig Paroli zu bieten. (mb)