Cloud SQL

Google startet MySQL-Datenbank aus der Wolke

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Nach zweieinhalb Jahren "Limited Preview" ist Googles Cloud-Datenbank "Cloud SQL" jetzt allgemein verfügbar.

Und zwar mit SLA (Service-Level Agreement), also als echtes Business-Produkt und nicht ein Spielzeug, um ein WordPress-Blog zu hosten. Auch sonst lassen die Features von Cloud SQL durchaus aufhorchen - bereits die kleinste Instanz kann Datenbanken bis 500 Gigabyte Volumen (zuvor 250 GB) aufnehmen und unterstützt Replikation, Backup und SSL-Verschlüsselung sowohl innerhalb als auch außerhalb des Google-Netzes.

Was das SLA angeht, wird als "Downtime" der MySQL-Instanz in der Google-Wolke bereits jeder Zeitraum mit Server-seitiger Error Rate größer 20 Prozent akzeptiert. Falls die Cloud-SQL-Instanz in einem Monat nicht wenigstens 95 Prozent Uptime erreicht, kann der Kunde bis zu 50 Prozent der eigentlich fälligen Rechnung zurückbekommen. Das passiert indes nicht automatisch; vielmehr muss der Kunde den technischen Support von Google binnen 30 Tagen in Kenntnis setzen.

Foto: Google

Google setzt für Cloud SQL auf das gute alte MySQL, und zwar in Version 5.5 (Oracle ist bereits bei 5.6) - vermutlich, weil die am ausführlichsten getestet und am besten bekannt ist. Hier stellt sich allerdings die Frage, warum Google nicht den von Oracle unbelasteten, binärkompatiblen Fork MariaDB gewählt hat, der immer mehr al Popularität gewinnt. Und auch von MySQL bleiben in der Google-Cloud einige Features außen vor, beispielsweise benutzerdefinierte Funktionen.

Die kleinste Instanz ("D0") hat außerdem einige signifikante Beschränkungen. Sie kostet zwar nur 2,5 Cent pro Stunde (was 18 Dollar pro Monat entspricht), muss sich aber mit nur 125 Megabyte Arbeitsspeicher und 500 MB Storage bescheiden und ist ferner limitiert auf 25 gleichzeitige Verbindungen und Queries.

Google tritt mit seinem Cloud SQL vor allem gegen den Platzhirschen Amazon Web Services an. Dessen Relational Database Service (RDS) ist seit Juni vergangenen Jahres allgemein verfügbar; der Preis für die günstigste MySQL-Instanz bei AWS ist mit 2,5 Cent pro Stunde identisch. RDS kommt ebenfalls mit 99,95 Prozent Uptime-Garantie, bietet allerdings eine größere Auswahl an Datenbanken, nämlich neben MySQL auch Oracle, Microsoft SQL Server sowie seit November auch PostgreSQL.

Wenn Google dagegen konkurrenzfähig sein soll, dann muss es das ganzheitlicher machen und nicht allein über den Instance-Preis. Eine Möglichkeit dazu wäre, möglichst viele der Aufgaben zu automatisieren (zum Beispiel "Sharding as as Service"), mit denen sich Datenbank-Verwalter üblicherweise herumschlagen müssen.