I/O 2012

Google holt zum zweiten Schlag gegen Amazon aus

29.06.2012
Zuerst kündigte Google ein eigenes Mini-Tablet an, um gegen den Kindle Fire von Amazon zu punkten. Einen Tag später der zweite Schlag: Google wird künftig in großem Stil Rechenleistung vermieten und damit Amazon Web Services (AWS) in die Quere kommen.
Foto: Google

Google will sich mit neuen Geschäftsfeldern von der Abhängigkeit von Werbeeinnahmen lösen. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O kündigte der für die technische Infrastruktur des Konzerns zuständige Manager Urs Hölzle an, die Leistung der Google-Rechenzentren künftig als Service anzubieten. Bislang offeriert Google lediglich konfektionierte Anwendungspakete wie E-Mail, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder eine Online-Festplatte als Dienste in der Internet-Cloud. Künftig können Google-Kunden ihre eigene Anwendungen auf Computern mit dem freien Betriebssystem Linux in der Google-Cloud laufen lassen.

Mit der neuen Geschäftsstrategie tritt Google vor allem gegen Amazon und seinen Cloud-Hosting-Dienst EC2 an. Der Suchmaschinenkonzern macht mit dem neuen Dienst aber auch Microsoft, VMWare oder Oracle sowie Rechenzentren-Betreibern wie T-Systems Konkurrenz. Hölzle sagte, der Google-Service werde "50 Prozent mehr Rechenleistung für den Dollar" bieten als die Angebote der Wettbewerber. Demnächst werde eine "eingeschränkte Vorschau-Phase" anlaufen. Konkrete Preise und das Startdatum von "Google Compute Engine" nannte Hölzle aber nicht.

Chrome auf dem iPhone - leider mit JavaScript-Zwangsbremse...
Chrome auf dem iPhone - leider mit JavaScript-Zwangsbremse...
Foto: Google

Die weitere größere Ankündigung auf der Google I/O betrifft Anwender eines iPhones oder iPads: Sie werden künftig auf ihren Apple-Geräten auch mit dem Google-Browser Chrome im Netz surfen können. Google bietet die App kostenlos an. Die Software, die nach Google-Angaben von 310 Millionen Internet-Nutzern verwendet wird, kann über verschiedene Geräte hinweg die Lesezeichen, Kennwörter und die bislang besuchten Seiten synchronisieren. Allerdings ist Chrome auf iPhone und iPad zwangsläufig langsamer als Safari, weil es weder dessen neuere noch die von Chrome auf anderen Plattformen genutzte JavaScript-Engine verwenden kann.

Künftig kann man auch den Dokumenten-Dienst Google Drive unter iOS verwenden. Dateien auf der Online-Festplatte lassen nicht nur nach Text durchsuchen, sondern auch nach Inhalten in Fotos oder eingescannten Dokumente. So zeigt die Suche nach dem Wort "Pyramide" die Fotos, auf denen die Google-Bilderkennung eine Pyramide identifiziert hat. Eine ähnliche Funktion bietet bislang der Online-Ablagedienst Evernote.

Einen Schub für den Dienst Google Docs erhofft sich der Internetkonzern durch eine neue Offline-Funktion. Bislang ließen bei Google Docs die Texte nur bearbeiten, wenn der Rechner mit dem Internet verbunden ist. Künftig wird der Dienst, der in Deutschland "Text und Tabellen" heißt, auch dann funktionieren, wenn der Computer nicht online ist hat. Die Veränderungen an den offline bearbeiteten Dokumenten werden automatisch synchronisiert, sobald wieder eine Verbindung besteht.

Über fünf Millionen Unternehmen, 45 US-Bundesstaaten sowie 66 der 100 US-Top-Universitäten setzten bereits Google Apps ein, sagte Google-Manager Sundar Pichai. Marktführer bei der Büro-Software ist Google-Konkurrent Microsoft, der neben dem traditionellen Office-Paket auch eine Online-Variante anbietet. (dpa/tc)