Geoinformatiker: Wetterfest mit Liebe zur Natur

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Geoforschern, Umwelt- und Geoinformatikern werden gute Berufschancen prognostiziert. Zwar ist die Stellensuche aufgrund der Konjunkturflaute derzeit auch in diesem Fachgebiet schwierig, doch immer mehr Firmen schätzen das interdisziplinäre Wissen der Absolventen.

Dass den Geoinformatikern, den Spezialisten für digitale Räume, gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt eingeräumt werden, verwundert nicht: Schließlich sind die Wirtschaftsdaten, die mithilfe von Geoinformationssystemen (GIS) erstellt werden, für Geschäftskunden von großer Bedeutung.

Der Versicherer beispielsweise sieht damit, wie groß die Hochwassergefahr in einer Region ist, dem Immobilienmakler erleichtern digital aufbereitete Raumdaten die Suche nach einem geeigneten Gewerbegrundstück. In der Tat gehören Analyse und Interpretation eines Standorts zu den immer wichtiger werdenden Aufgaben eines Geoinformatikers. So muss er bei der Standortbestimmung eines Einkaufszentrums herausfinden, welche Mitbewerber und potenziellen Kunden in dieser Gegend angesiedelt sind und ob der Betrieb eines solchen Zentrums ökologisch überhaupt möglich ist.

Wie wichtig eine solche Beurteilung sein kann, zeigt der Fall der Berliner Bank: Eineinhalb Milliarden Euro hat das Finanzinstitut im vergangenen Jahr in Immobilien investiert - kurz darauf war es pleite. Die hochgelobten Immobilien hatten sich als Ladenhüter erwiesen - sanierungsbedürftige Plattenbauten in schlechter Lage. Dazu kam eine völlig veraltete Infrastruktur.

Digitale Stadtplanung

"Das darf eigentlich nicht passieren", erklärt Magda Baumann, Inhaberin des Münchner Unternehmens Geocontor. Um für ihre Auftraggeber festzustellen, ob sich ein geplanter Standort lohnt, verknüpft sie mithilfe von Business-GIS Marktdaten mit Flächendaten und berücksichtigt zusätzlich Informationen aus dem Internet oder von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Alexander Zipf, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der European Media Laboratory GmbH in Heidelberg tätig ist, erleichtert Geowissenschaftlern, die nicht Informatik studiert haben, die Arbeit: "Wir stellen ihnen Softwarewerkzeuge bereit, mit denen sie ihre Raumplanungsprobleme - ob es sich nun um eine Mülldeponie oder eine Standortanalyse handelt - berechnen können."

Darüber hinaus beschäftigen sich die Wissenschaftler des European Media Laboratory, das von der Klaus-Tschira-Stiftung gefördert wird, mit der Entwicklung mobiler Kommunikationssysteme. Dazu gehören unter anderem Navigationssysteme und elektronische Museumsführer für Touristen.

Der Heidelberger Geoinformatiker ist sich sicher, dass das Potenzial der Raumdaten in den Unternehmen noch längst nicht ausgeschöpft ist. Zudem würden die Anwendungen heute nicht mehr analog, sondern digital erstellt - sei es in der Landschafts- und Stadtplanung oder in der Verwaltung. Große Hoffnungen setzt Zipf auch auf die "location based services", die Mobilfunkgeneration mit UMTS, die seiner Meinung nach einen komplett neuen Markt erschließen könnten: "Überall müssen Lösungen realisert werden, und Geoinformatiker sind dafür bestens geeignet."

Jungen Leuten empfiehlt er abzuwägen, ob sie mehr an Software und Methodik oder an einer anwendungsorientierten Arbeitswelt interessiert sind. Im ersten Fall würde sich als Studiengang die reine Geoinformatik, im zweiten Fall kombinierte Studiengänge anbieten. Zipf weist auf den gut gefüllten Lehrplan und die zahlreichen Exkursionen während des Studiums hin. Die Studenten müssten wetterfest sein und sich gern im Freien aufhalten.

Bei den Umweltberufen steht die Präferenz der Industrie fest. Hans Landschulz, Professor für Umwelttechnik am Studienort Rüsselsheim der Fachhochschule (FH) Wiesbaden: "Die Unternehmen suchen vor allem nach ‘Bindestrich-Informatikern’. Sie befürchten, dass reine Informatiker zu sehr auf ihren eigenen Bereich fixiert sind." Grundsätzlich sei der Bedarf an Umweltinformatikern groß. Unternehmen, Behörden und Verbände würden verstärkt Mitarbeiter benötigen, die mit Umweltschutz und Informatik vertraut sind.

Bisher gebe es aber kaum Qualifizierungsangebote. Landschulz: "Der alleinige Studiengang Umweltinformatik wird selten angeboten." Dafür sei das Thema Umwelt in immer mehr Zusatzlehrgängen oder Aufbaustudiengängen zu finden. Zu den Lehrinhalten gehören die Bereiche Umwelttechnik und -Management ebenso wie Umwelt-Controlling oder -informationssysteme.

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