Web

 

Geht PwCs Beratungseinheit an HP?

11.09.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard (HP) ist Zeitungsberichten zufolge der Favorit unter den Kaufinteressenten für das IT-Beratungsgeschäft von PricewaterhouseCoopers (PwC). Der kalifornische Drucker- und Computerhersteller könnte zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar für das Consulting-Geschäft zahlen, hieß es. Beide Unternehmen sollen bei ihren Verhandlungen am Wochenende große Fortschritte erzielt haben. Zu einer endgültigen Abmachung sei es jedoch noch nicht gekommen. Weder HP noch PwC wollten die Berichte bislang bestätigen.

PwC gehört zu den "Big Five", die die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) dazu aufgefordert hat, ihr Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgeschäft voneinander zu trennen. Dadurch soll Interessenkonflikten vorgebeugt werden. Ernst & Young hatte bereits Anfang des Jahres seine Consulting-Sparte an die französische Unternehmensberatung Cap Gemini verkauft (Computerwoche.de berichtete). Deloitte & Touche sowie Arthur Andersen widersetzen sich derzeit noch der Aufforderung der SEC.

PwC war zuletzt durch seine unrühmliche Rolle als Auditor bei der Softwareschmiede Microstrategy ins Gerede gekommen. Der Business-Intelligence-Spezialist hatte Mitte des Jahres die Bilanzen seiner letzten drei Geschäftsjahre neu ausweisen müssen, da er einige Erträge aus langfristigen Verträgen sofort statt über den entsprechenden Vertragszeitraum verbucht hatte. Dadurch waren die Bilanzen des Unternehmens positiver ausgefallen, als sie tatsächlich waren. Die SEC überprüft derzeit, ob die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers durch die gleichzeitige Beratungstätigkeit bei für Microstrategy in einen Interessenkonflikt geraten waren.

Ob HP den Zuschlag für das PwC-Consulting-Geschäft bekommt, ist noch unklar. Eine Entscheidung ist frühestens in einigen Wochen zu erwarten, denn PwC benötigt für den Deal die Zustimmung seiner rund 10 000 Partner und der US-Börsenaufsicht. Gerüchten zufolge sind unter anderem auch IBM, Siemens und Cisco Systems an der Consulting-Sparte interessiert. Sie könnten ein noch höheres Kaufangebot als HP abgeben. Sollte HP als Sieger aus dem Rennen hervorgehen, würde der IT-Konzern seine Kapazitäten im Beratungsgeschäft von derzeit 6000 um weitere 30 000 Consultants erhöhen.