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Gartner: IT-Services werden zum Massenprodukt

10.03.2005

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - Wegen des anhaltenden Kostendrucks vollzieht sich in der IT-Dienstleistungsbranche ein Trend zur Industrialisierung, beobachtet das US-amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus.

"Der IT-Dienstleistungsmarkt entwickelt sich vom Kunsthandwerk zur Massenfertigung", prognostiziert Peter Dück, Vice President Solution Development Sourcing bei Gartner. Die Anbieter seien gezwungen, immer mehr und immer hochwertigere Services zu offerieren. Zugleich drückt der härter gewordene Wettbewerb die Preise. Aus diesem Dilemma führe nur ein Weg: Ähnlich wie in der Textil- und später in der Automobilindustrie müssten die Anbieter ihre Dienste als Produkte begreifen, die sich bis zu einem bestimmten Grad "vormontieren" lassen.

Nicht nur die Kunden, auch die Dienstleister selbst seien dabei, ihre Fertigungstiefe zu reduzieren und Teile ihres Angebots extern zuzukaufen. Dück: "Die Anbieter schlucken ihre eigene Medizin." Dazu gehöre auch, Arbeiten in solche Regionen zu verlagern, wo diese nach einer Vollkostenrechnung am günstigsten und am besten verfügbar sind. Das alte Paradigma der klassischen Industrien, mit weniger Einsatz mehr Output zu schaffen ("Do more with less"), setze sich nun auch in der IT durch, begründet er die Entwicklung: "IT ist zwar unverzichtbar, aber auf lange Sicht eigentlich unbedeutend und ein Commodity-Instrument."

Dennoch sieht der Analyst den gesamten IT-Servicemarkt im Aufwind. "Das Tal der Tränen ist nach den schwachen vergangenen Jahren durchschritten." Dies gelte grundsätzlich für alle Marktsegmente. Allerdings müssten die Anbieter ihre traditionellen Geschäftsmodelle nachhaltig verändern: "Es reicht nicht mehr, wenn ein Berater nur Beratung, ein Systemintegrator nur SI-Projekte oder ein Outsourcer nur Outsourcing anbietet." In diesem Szenario seien Kunden gezwungen, einzelne Komponenten zu erwerben und diese zu integrieren. Dazu aber seien die kostengeplagten Unternehmen immer weniger bereit. Sie verlangten stattdessen Komplettlösungen, die ihnen helfen, Geschäftsprobleme zu lösen. Die Serviceanbieter benötigten dazu insbesondere Prozess-Know-how.

Doch längst nicht alle Dienstleister können den gestiegenen Erwartungen gerecht werden. Gartner erwartet deshalb eine Polarisierung des Marktes: Auf der einen Seite stehen große Player, die die gesamte Servicepalette abdecken, auf der anderen spezialisierte Nischenanbieter. Dabei sei schon jetzt eine Konvergenz von IT-Beratungs- und Outsourcing-Diensten zu beobachten. Dück nennt als Beispiele die Übernahme des IT-Beraters Pricewaterhouse-Coopers durch IBM oder die Ausweitung von Accentures Serviceangebot in Richtung Outsourcing. Solche Strategien würden sich als zukunftsträchtig erweisen.

Trotz vieler Vorbehalte auf Kundenseite werde die klassische Beratung ihre Bedeutung nicht verlieren, lautet eine weitere Prognose. Im noch immer schwer aufzulösenden Konflikt zwischen Geschäftsnutzen und populären IT-Trends wie Utility Computing komme den Consultants eine Schlüsselrolle zu. Dück: "Die Berater übernehmen künftig eine Brückenbauerfunktion zwischen Business und IT." (wh)