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Gartner hat Ariba abgeschrieben

23.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Passend zum Interview mit Larry Mueller erreicht uns heute folgende Meldung: Die Analysten von Gartner haben den B2B-Softwareanbieter (Business-to-Business) Ariba auf ihre "Problem-Watch"-Liste gesetzt. Diese ist für Anbieter reserviert, bei denen aus Sicht der Auguren das Risiko, ihre Software zu kaufen, größer ist als der potenzielle Nutzen.

Bestandskunden rät Gartner, ihre Investitionen in Aribas E-Procurement-Lösung zu minimieren. Potenzielle Neukunden sollten die Lösung nur dann anschaffen, wenn sie gegen die Auswirkungen einer möglichen Übernahme von Ariba abgesichert seien. Ariba krankt aus Sicht der Analysten am Abschwung im E-Procurement-Markt und seiner Unfähigkeit, seine Produkte über allgemeine indirekte Beschaffung hinaus zu erweitern. Gartner sieht nun zwei Möglichkeiten: Entweder verstärke sich Ariba (in den Bereichen Beschaffung von Direktmaterialien, Supplier Relationship Management, Collaborative Commerce oder Supply Chain Management) - oder es werd geschluckt. Als potenzielle Kaufinteressenten listen die Experten IBM, Peoplesoft, J.D. Edwards oder eine CRM-Company (Customer Relationship Management) à la Siebel.

Lauren Ames, Sprecherin von Ariba, liegt der entsprechende Gartner-Report bisher nicht vor. Sie bemüht sich um Schadensbegrenzung und proklamiert, dass E-Procurement-Lösungen mit schnellem ROI (Return on Investment) für Kunden weiterhin "sehr attraktiv" seien. Mehr als 80 Prozent des Codes zur Abdeckung der Wertschöpfungskette (Beschaffung und SCM) seien noch gar nicht geschrieben, glaubt die Ariba-Frau. Ferner weist Ames darauf hin, dass kein einziger Ariba-Offizieller im letzten halben Jahr mit den Gartner-Pessimisten gesprochen habe.

Bruce Richardson von AMR Research ist der Ansicht, Gartner nutze das Ariba-Papier nicht zuletzt, um die Werbetrommel für sich selbst zu rühren. Trotzdem stelle der Bericht Aribas Management auf die Probe. "Sie müssen in den kommenden Quartalen schon einiges vorlegen, sonst sind sie unten durch", fürchtet der Analyst.