Enterprise Architecture Management

Gartner bewertet die besten Anbieter von EAM-Tools

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
IBM, Troux Technologies, IDS Scheer und Alfabet schaffen es in den Leaders Quadrant für Enterprise-Architecture-Werkzeuge.

Der "Magic Quadrant" gehört zu den am meisten beachteten und gefürchteten Bewertungen, die Gartner für eine Fülle von Märkten und Segmenten in der IT-Branche erarbeitet. In einer aktuellen Studie beleuchten die Analysten Hersteller von Softwarewerkzeugen, die Unternehmen beim Einrichten und Steuern einer Enterprise Architecture (EA) helfen sollen. Einige Marktbeobachter sprechen in diesem Kontext auch von Enterprise Architecture Management (EAM).

Leader, Challenger und Nischen-Player

Nach der Gartner-Untersuchung vom Juni 2008 gibt es derzeit vier führende Anbieter: IBM mit den von der aufgekauften Firma Telelogic erworbenen Produkten, Troux Technologies sowie die beiden deutschen Hersteller IDS Scheer und Alfabet. In die Kategorie der Herausforderer ("Challengers") stufen die Auguren die Softwarehäuser Mega und Metastorm ein. Alle anderen untersuchten Player bezeichnet Gartner als Nischenanbieter. Zu ihnen gehören Sybase, Salamander, ASG, QualiWare, Adaptive und BIZZdesign. Im Rahmen der Bewertung betrachten die Analysten sowohl die "Vision" eines Anbieters als auch dessen Fähigkeit, diese zu verwirklichen.

Mindestanforderungen für EA-Tools

Die Analysten nahmen nur solche Tools in die Wertung, die bestimmten Mindestanforderungen genügen, beispielsweise ein Repository zum Vorhalten der zahlreichen EA-relevanten Informationen mitbringen. Hinzukommen muss ein Metamodell, das sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Sichtweisen abbilden kann. Das Repository soll unter anderem in der Lage sein, Verknüpfungen zwischen Objekten aus unterschiedlichen Sichten herzustellen. Eine wichtige Eigenschaft der Werkzeuge sieht Gartner auch darin, Modelle und Artefakte aus einer Enterprise Architecture zu erstellen oder diese zu importieren. Last, but not least brauchen die Tools Funktionen zur Präsentation von Repository-Informationen in Form von Grafiken, Text oder ausführbarem Code.

Der EA-Markt ist in Bewegung

Ein charakteristisches Merkmal für den noch unreifen EA-Markt sieht Gartner in der starken Präsenz kleinerer Anbieter. Nur drei der analysierten Unternehmen, IBM, IDS Scheer und Sybase, sind an einer Börse notiert. Bei den meisten anderen handelt es sich um kleine privat gehaltene Firmen. Auffällig ist zudem, dass sieben Unternehmen ihren Hauptsitz in Europa haben. Die Analysten schließen daraus, dass das Segment für EA-Tools im Vergleich zu anderen Software-Teilmärkten stärker regional geprägt ist. Alfabet beispielsweise stammt aus Berlin, der Newcomer BIZZdesign aus den Niederlanden. Nach der im April 2008 abgeschlossenen Übernahme von Telelogic wird vor allem IBM seinen Einfluss auf den Markt ausweiten, erwarten die Analysten. Aber auch Sybase könnte seine Anstrengungen in Sachen Enteprise Architecture intensivieren und dabei insbesondere sein Know-how im Bereich Datenbank-Design einbringen.

Was Gartner Anwendern rät

Obwohl der Magic Quadrant den Markt als Ganzes beleuchtet, kann das am besten geeignete Tool für ein bestimmtes Unternehmen auch außerhalb des Marktführersegments liegen, erläutert Gartner. Bei der Auswahl sollten Anwender mehrere Kriterien prüfen und diese anhand von aktuellen und künftigen Anforderungen gewichten. Der Markt für EA-Tools bleibt angesichts etlicher Fusionen und Übernahmen volatil, warnen die Analysten. Unternehmen sollten deshalb stets auch die Überlebensfähigkeit ihres bevorzugten Anbieters im Auge behalten.