Handeln statt hadern

Führungskräfte und die digitale Transformation

03.11.2015

Als CEO von Dimension Data in Deutschland ist Sven Heinsen für die Leitung und strategische Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich. Er kennt die Herausforderungen, die die Digitale Transformation an die IT, die Mitarbeiter und die Geschäftsstrategie von Unternehmen aller Branchen stellt.

Mit dem Einsatz moderner IT-Lösungen streben Unternehmen Innovation und Wachstum an. Ängste und eine fehlende Strategie blockieren das aber zu häufig.

Unternehmen wollen in Zeiten der Digitalisierung effektiv und schnell auf ein sich änderndes Geschäftsumfeld reagieren können. Weltweit haben die Führungskräfte die IT als wichtigsten Hebel bei der digitalen Transformation des eigenen Unternehmens ausgemacht. Die Studie "Accelerating Business Transformation Through IT Innovation: Getting the Business Leader Take on the IT Change Mandate", die das BPI Network im Rahmen der Initiative "Transform to Better Perform" durchgeführt hat, zeigt: 85 Prozent der Unternehmen verwenden mehr Zeit als früher darauf, die strategischen Implikationen der Next Generation IT zu verstehen.

Im Unternehmen herrscht Uneinigkeit beim Umstieg auf IT der nächsten Generation.
Im Unternehmen herrscht Uneinigkeit beim Umstieg auf IT der nächsten Generation.
Foto: bikeriderlondon - shutterstock.com

Für die Teilnehmer der Umfrage liegen die Vorteile, die die Einführung moderner IT-Modelle mit sich bringt, auf der Hand. Sieben von zehn Befragten versprechen sich davon höhere Agilität und eine schnellere Reaktionsfähigkeit, 57 Prozent eine höhere Kosteneffizienz und 47 Prozent hoffen, die Markteinführung neuer Entwicklungen mit Hilfe von IT der nächsten Generation beschleunigen zu können. Das Problem: Mehr als die Hälfte der Entscheider schätzt den Innovationsgrad der eigenen IT-Abteilung als nicht ausreichend ein.

Die IT-Abteilung als Transformationsbremse?

Hinter dieser Einschätzung steht die Befürchtung der Verantwortlichen. Sie glauben, die Konkurrenz werde ihnen mit neuen Technologien, die Kunden eine größere Anzahl von Wahl- und Individualisierungsmöglichkeiten und mehr Komfort bieten, Marktanteile streitig machen. In den Augen der Mehrheit füllt die hausinterne IT die Rolle eines strategischen Partners bei der Unternehmenstransformation nicht ausreichend gut aus.
Die Indikatoren für die Güte des eigenen Netzwerks - Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit der IT-Infrastruktur, verbesserte Unternehmenseffizienz sowie Qualität und Pünktlichkeit der Anwendungsbereitstellung - sehen sie im eigenen Haus nicht erfüllt.

All das führt zu einem großen Spannungsverhältnis im Unternehmen. 70 Prozent der Entscheider weltweit glauben, dass Technologie in den letzten fünf Jahren weitaus wichtiger für den Geschäftserfolg geworden ist, aber nur 42 Prozent von ihnen sind davon überzeugt, dass ihre IT-Abteilung die Integration neuer Lösungen ausreichend schnell vorantreibt.

Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität

Neben einer überalterten IT-Infrastruktur und Sicherheitsbedenken gibt es laut der Studie drei Hauptgründe für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. In fast jedem zweiten Unternehmen fehlen demnach ein Konsens über die IT-Strategie und Unterstützung bei der Investition in neue Technologien (47 Prozent). Für vier von zehn Befragten ist die Unwissenheit über den tatsächlichen Bedarf und über verfügbare optimale Lösungen Grund für das Scheitern. Etwa genauso viele Entscheider bezweifeln, dass die Implementierung neuer Technologien reibungslos abläuft und die Anwendungen bei den Mitarbeitern im Unternehmen auf Akzeptanz stoßen (38 Prozent).

In diesem Punkt allerdings zeigt sich, dass die Kritik an der IT-Abteilung zu kurz greift. Bei der Identifikation der tatsächlichen Anforderungen der einzelnen Geschäftsbereiche oder Abteilungen sind die Mitarbeiter ebenso in der Pflicht wie die Geschäftsführung, die den Austausch moderieren muss.

Bündelung von strategischer und fachlicher Expertise

Die Gefahr bei der Entwicklung einer IT-Strategie liegt oftmals darin, dass Unternehmensentscheider und die IT-Abteilung sich auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen - dabei aber die Wünsche der Mitarbeiter und potenziell passendere Technologien und Modelle aus den Augen verlieren. Es ist an den Verantwortlichen, die Rolle als Digital Leader anzunehmen, fachliche Kompetenz und strategische Expertise zu bündeln, anstatt der Entwicklung des Unternehmensnetzwerks ihren Lauf zu lassen.

Denn speziell mit Blick auf sich schnell wandelnde Kundenbedürfnisse und die Kundenzufriedenheit sind veraltete Infrastrukturen in vielen Fällen nicht mehr tragbar. Die Verantwortlichen müssen in ihrer Position Innovation und Transformation anstoßen. (bw)