Flash Mobs - Demos für die Spaßgesellschaft

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Kunst für Daheimgebliebene, Balla-Balla-Veranstaltungen, Performance-Welle mit revolutionärem Potenzial - in diesem Sommer erregte Flashmobbing wie kaum ein anderes Thema Aufsehen in den Medien.

Seit Ende Juli spielen sich in deutschen Städten nahezu regelmäßig absonderliche Szenen ab: Dutzende oder gar hunderte von meist jungen Menschen versammeln sich an einem öffentlichen Platz und veranstalten eine merkwürdige, scheinbar sinnlose Aktion. Einige Minuten später löst sich die Menschentraube dann so urplötzlich wie sie entstand wieder auf. Zurück bleiben verdutze Passanten, die ihren Augen nicht trauen und ungläubig den Kopf schütteln. Zumindest anfänglich war dies noch so. Inzwischen weiß fast jeder, dass es sich dabei um so genannte Flash Mobs handelt: Unerklärliche Aufläufe von Menschen, die per Mailing-Listen oder Weblogs verbreiteten Einladungen gefolgt sind, um eine exakt koordinierte, aber explizit sinnfreie Aktion auszuführen.

Ursprung der inzwischen weltweit verbreiteten Balla-Balla-Veranstaltungen war New York, erfuhr man bei "Bild". Frau las bei "Brigitte", dass sie sogar in ihrem Lieblings-Schuhgeschäft, "gedankenverloren vor einem Paar sündig schöner, sündhaft teurer High Heels", mit dem Ansturm von Hunderten von Menschen rechnen muss. Selbst die "Süddeutsche Zeitung" war von dem Thema offenbar so hin und weg, dass sie den Bericht über den ersten Flash Mob in München gleich in zwei aufeinander folgenden Ausgaben im Lokalteil abdruckte. Auch die Fernsehanstalten trugen zu der Publicity des neuen Gesellschaftsspiels bei, indem sie die skurrilen Szenen präsentierten, Teilnehmer nach ihrem Eindruck beim "ersten Mal" befragten und im Anschluss daran eine soziologische Aufbereitung des Ganzen versuchten.

"Sackerl"-Demo : Flash Mob Nr. 9 in Wien. Foto: geocities.com/viennamobs
"Sackerl"-Demo : Flash Mob Nr. 9 in Wien. Foto: geocities.com/viennamobs

Apropos Erklärungsversuche: In Zusammenhang mit den Flash Mobs wird der US-amerikanische Medientheoretiker Howard Rheingold fast schon inflationär zitiert. Der Visionär stellte Anfang des Jahres in seinem Buch "Smart Mobs " die These auf, dass künftige soziale Bewegungen im Internet entstehen und sich von dort aus in die reale Welt ausbreiten. Stellen die Flash Mobs also ein spielerisches Training für die soziale Revolution dar? Die Communitiy will davon nichts wissen und proklamiert nahezu unisono, Ziel ihrer Aktionen sei es schlicht und einfach, Blödsinn zu machen. Dies wiederum sorgt für Kritik aus den meist linken Reihen. Das Thema sei politisch und künstlerisch deutlich überbewertet, befand hierzulande etwa die "taz": Flash-Mob sei nett, amüsant, Aktions-Fastfood, Freizeitsport ohne blaue Flecken - mehr auch nicht.

Links: www.flashmob.twoday.net

www.flashmobbers.net

www.cheesebikini.com

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