Firmen setzen selten auf ältere Ingenieure

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Während die Politiker laut darüber nachdenken, das Rentenalter auf 67 oder gar 70 Jahre zu erhöhen, rechnen die Unternehmen in ganz anderen Kategorien: Ingenieure ab 45 Jahren gelten schon als älter und werden nur noch selten eingestellt, wie eine aktuelle Studie des Fraunhofer-IAO und des VDI zeigt.

Die Befragung von 389 Unternehmen aus Maschinenbau, Automobil-, Metall- und Elektroindustrie ergab ein widersprüchliches Bild. Einerseits könnte das Image älterer Ingenieure bei Firmen nicht besser sein: Sie gelten als wichtige Know-how-Träger, sind in ein großes Netzwerk im Unternehmen eingebunden und aufgrund ihrer Erfahrung unentbehrlich.

Andererseits machte der Prozentsatz der über 45-Jährigen an den Neueinstellungen von Ingenieuren in den vergangenen drei Jahren nur 15 Prozent aus. Ältere Ingenieure werden meist aufgrund ihrer Erfahrung und Spezialisierung gezielt eingestellt, weil sie über einen "Realitätssinn für die Machbarkeit von Projekten" verfügen, aber auch loyaler seien und das Un-ternehmen nicht so schnell wieder verließen.

Generell werden aber jüngere Bewerber bevorzugt, weil sie bereit seien, ins Ausland zu gehen sowie mehr Mobilität und Begeisterung für neue Herausforderungen mitbrächten. Über die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, jüngere Bewerber einzustellen, um die Altersstruktur innerhalb des Betriebes zu senken. Diese ist aber nicht so hoch, wie man annehmen könnte: Weniger als ein Drittel der Beschäftigten in den befragten Unternehmen ist über 45 Jahre alt.

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg beschäftigt mittlerweile bereits jede zweite Firma keine Mitarbeiter mehr über 50 Jahren. Selbst Konzerne wie Volkswagen, die für ihre innovativen Arbeitszeitmodelle bekannt sind, bemühen sich schon lange, Beschäftigte ab 55 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand zu entlassen. Laut IAO-Studie erkennen die wenigsten Firmen die Probleme, die angesichts eines zunehmenden Mangels an Nachwuchskräften und des steigenden Durchschnittsalters der Beschäftigten auf sie zukommen werden.

So gibt es selten Programme, um ältere Ingenieure zu binden und ihr Leistungsvermögen weiterzuentwickeln. Darüber hinaus werden Lebensarbeitszeitmodelle, Jobrotation und Maßnahmen beruflicher Neuorientierung kaum genutzt. Nur jedes dritte Unternehmen bietet die Möglichkeit zu einer anderen als der klassischen vertikalen Karriere.

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