Arbeitsmarkt

Fehlstart für die Blue Card

Alexandra Mesmer
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 14 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie schreibt, redigiert, organisiert, moderiert und kümmert sich um die Online-Rubriken Karriere & Gehalt, Freiberufler, Young Professional und den Karriere-Ratgeber sowie den Karriere- und Freiberufler-Newsletter.
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Qualifizierte Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten sollten durch sie nach Deutschland kommen. Doch die "Blaue Karte" wurde seit ihrer Einführung im August nur an 139 Personen vergeben.
Programmierer aus Indien könnten durch die Blue Card leichter an eine Arbeitserlaubnis in Deutschland kommen, nur das Interesse ist gering.
Programmierer aus Indien könnten durch die Blue Card leichter an eine Arbeitserlaubnis in Deutschland kommen, nur das Interesse ist gering.
Foto: Quelle: Siemens

"Deutschland braucht Zuwanderung, braucht hochqualifizierte Fachkräfte gerade in den Hightech-Industrien". Nicht nur Branchenverbände wie der Bitkom begrüßten es, als im August die "Blaue Karte EU" in deutsches Recht umgesetzt, Zuzugbestimmungen für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten vereinfacht und die Gehaltsschwellen gesenkt wurden. So erhalten ausländische IT-Fachkräfte eine Blue Card als Aufenthaltserlaubnis, wenn sie ein Jahresgehalt von 34.944 Euro oder mehr vorweisen können. Ausländische Studenten haben nach dem 18 statt vorher zwölf Monate Zeit, um sich einen Arbeitsplatz zu suchen.

Die Hoffnung, durch die Blue Card Hochqualifizierte aus dem Ausland anlocken zu können, erfüllte sich bislang aber nicht. Denn die Fachkräfte nutzen die Möglichkeit kaum. So sind in den ersten beiden Monaten nur 139 Blue Cards vergeben worden, davon gingen 112 an Ausländer, die bereits vor dem Jahr 2012 nach Deutschland eingereist waren und schon mit einem anderen Aufenthaltstitel in der Bundesrepublik lebten.

Schwierige Sprache als Hürde

Für die geringe Resonanz nennen Experten mehr Gründe. In den Augen von Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, hafte an Deutschland nach wie vor der Ruf, Zuwanderer seien nicht willkommen. Zudem werde auch die Sprache als schwierig empfunden. Für den Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans Heinrich Driftmann, ist das deutsche Zuwanderungsrecht trotz Blue Card noch zu kompliziert und für ausländische Fachkräfte wenig transparent.

Mit dem Online-Portal "make it in Germany" versucht die Bundesregierung seit Frühsommer um ausländische Fachkräfte zu werben: Ob zu Visum, gesuchten Berufen oder Jobsuche, hier finden Interessierte zahlreiche Informationen aufbereitet. In Videos erzählen ein indischer Elektroingenieur und ein vietnamesischer Softwareentwickler, warum sie gern in Deutschland arbeiten. Das Portal richtet sich vor allem an ausländische Bewerber.

Mit dem Blick auf die Arbeitgeber hat nun der Bitkom einen Leitfaden zur Blue Card herausgegeben. Schließlich müssten auch die deutschen Unternehmen lernen, die Chancen der Blue Card zu nutzen. Das von der Kölner Anwaltskanzlei Osborne Clarke erarbeitete Papier erläutert die neuen Regelungen, aber auch die Antragsverfahren für die Blaue Karte und andere Aufenthaltstitel. Der 28seitige Leitfaden kann kostenlos unter www.bitkom.org heruntergeladen werden.

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