Motivation

Fast jeder vierte Mitarbeiter hat innerlich gekündigt

13.04.2012
Mitarbeiter vermissen konstruktives Feedback, Interesse an ihrer Person sowie Förderung und Mitsprachemöglichkeiten. Das ergab eine Gallup-Studie unter deutschen Arbeitnehmern.
Viele Mitarbeiter sind demotiviert und machen nur Dienst nach Vorschrift.
Viele Mitarbeiter sind demotiviert und machen nur Dienst nach Vorschrift.
Foto: Gernot Krautberger/Fotolia.com

Den Status quo in deutschen Büros und Fabrikhallen beschreibt die Studie so: Von 100 Arbeitnehmern empfinden 14 eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen. Diese Mitarbeiter sind loyal und produktiv, fehlen selten und kehren ihrer Firma nicht von sich aus den Rücken. Das Gros, nämlich 63 Prozent, leistet durchschnittliche Arbeit, "Dienst nach Vorschrift", 23 Prozent jedoch haben überhaupt keine Bindung mehr an ihren Arbeitgeber.

Weniger Engagierte

Der Anteil der problematischen Mitarbeiter stieg im vergangenen Jahrzehnt von 15 auf 23 Prozent. Die Zahl der Hochengagierten sank von 16 auf 14 Prozent, das Mittelfeld schrumpfte von 69 auf 63 Prozent.

Unnötige Fehlzeiten: Wer keine Bindung zum Unternehmen hat, fehlt oft am Arbeitsplatz. Angaben in Krankheitstagen pro Jahr; Quelle: Gallup
Unnötige Fehlzeiten: Wer keine Bindung zum Unternehmen hat, fehlt oft am Arbeitsplatz. Angaben in Krankheitstagen pro Jahr; Quelle: Gallup

Immer mehr Mitarbeiter haben demnach keine emotionale Bindung an ihren Arbeitsplatz. An ihrer Tätigkeit liegt das wohl nicht, denn drei Viertel bezeichnen die Art ihrer Aufgabe als für sie ideal. 92 Prozent behaupten gar, sie seien zufrieden mit ihrer Arbeit. Am Geld hängt es ebenso wenig. 58 Prozent - so viele wie noch nie - sagten, sie würden angemessen bezahlt. Dieser Wert lag 2001 bei 52 Prozent, sank dann stetig auf nur noch 43 Prozent im Jahre 2008. Die Angst vor einer lang anhaltenden Weltwirtschaftskrise hat die Ansprüche erkennbar nach unten geschraubt.

"Diese Zahlen zeigen, dass die Gründe für eine mangelnde emotionale Bindung nicht in den Rahmenbedingungen des Arbeitsverhältnisses liegen", sagt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup. "Führungskräfte sind diejenigen, die in der Verantwortung stehen, da sie es sind, die das Arbeitsumfeld durch ihr Verhalten prägen und gestalten."

Mehr Lob gewünscht

Offensichtlich setzt in den Unternehmen häufig eine Spirale ein - wer einmal abgehängt ist, verliert immer mehr an Boden. Nur zwei Prozent der Demotivierten erhielten in der Arbeitswoche vor der Befragung Lob und Anerkennung, 79 Prozent der Hochengagierten jedoch sehr wohl. Alles in allem vermissen die Mitarbeiter ohne emotionale Bindung zum Arbeitgeber konstruktives Feedback, Interesse an ihrer Person, Förderung und Mitsprachemöglichkeiten.

"Es wird deutlich, welchen Einfluss das Führungsverhalten, also die Erfüllung der elementaren Bedürfnisse und Erwartungen am Arbeitsplatz, auf die Verbundenheit der Mitarbeiter hat", kommentiert Nink. Gute Führung orientiere sich am Menschen. "In jedem Unternehmen lassen sich durch geeignete Maßnahmen Verbesserungen erzielen, denn der Grad der emotionalen Bindung ist unabhängig vom Ausgangsniveau veränderbar."

Teure innere Kündigung

Optimierungen liegen dabei im ureigenen Firmeninteresse. Gallup beziffert den - wie auch immer errechneten - volkswirtschaftlichen Schaden durch innere Kündigung in Deutschland auf 123 Milliarden Euro jährlich. Im Durchschnitt fehlten die hochmotivierten Mitarbeiter im vergangenen Jahr fünf Arbeitstage, bei der Problemgruppe waren es 8,5 Tage .

Alleine diese auf die Volkswirtschaft hochgerechneten 36 Millionen Fehltage Unterschied sorgen laut Gallup für Kosten in Höhe von 10,5 Milliarden Euro. (hk)

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