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Microsoft-Prozeß (II)

Farber: Browser und Betriebssystem sind zwei paar Schuhe

08.12.1998
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Microsoft-Prozeß (II)

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Antitrust-Verfahren gegen Microsoft wurde gestern die schriftliche Zeugenaussage von David Farber, Professor für Telekommunikation an der University of Pennsylvania, gehört. Der Experte für Softwaredesign vertrat darin die Ansicht, daß die Verschmelzung von Browser und Betriebssystem in Windows 98 technisch nicht nötig sei. Sie biete zwar gewissen Vorteile, diese könne man aber ebenso gut ohne das Bundling erreichen. Für viele OEM-Hersteller, Entwickler und Endkunden sei dagegen ein Betriebssystem ohne Browser-Funktionalität sinnvoller. Heute wird Farber vermutlich von den Anwälten beider Seiten ins Kreuzverhör genommen.

Microsoft hatte bereits eine detaillierte Stellungnahme zur Farbers Vorwürfen vorbereitet. Darin heißt es unter anderem: "Herr Farber hat hier nicht weiter als eine Meinung dazu vorgelegt, wie Microsoft Windows designen sollte oder könnte. In unserer Marktökonomie sind es aber nicht die Regierungsberater [Anspielung auf Farbers Nebentätigkeit, Anm. d. Red.], die Softwareprodukte einem Redesign unterziehen." Außerdem sei Farbers Argumentation mit dem Urteil eines Bundesgerichts vom Juni 1998 obsolet. Dort hatte es geheißen, die Kombination von Betriebssystem und Browser werfe so lange keine kartellrechtlichen Bedenken auf, wie für die Endkunden darin ein Mehrwert liege.

Microsoft-Chef Bill Gates ließ es sich nicht nehmen, nochmals persönlich ausführlich zu dem Prozeß gegen sein Unternehmen Stellung zu nehmen. "Wenn Sie in Ruhe nachdenken, stellen Sie fest, daß es nicht unsere Kunden sind, die sich über unsere Internet-Produkte beklagen - nein, unsere Konkurrenten beschweren sich", mahnte Gates. Mit Anspielung auf die Übernahme von Netscape durch America Online und Sun höhnte er weiter: "Da muß man sich wirklich fragen: Wen vertritt die Regierung eigentlich - eine Handvoll Konkurrenten oder die Konsumenten?" Die Strafverfolger auf Seiten des Department of Justice (DOJ), vor allem David Boies mit seiner bohrenden Befragung, sind nach Meinung von Gates jedenfalls "angetreten, um Microsoft zu vernichten". Um dies zu vermeiden, erklärte sich Gates bereit, notfalls noch einmal selbst in den Zeugenstand zu treten.