Mit All-IP sind die Tage von ISDN und Telefon gezählt

FAQ zur All-IP-Umstellung

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Bis Ende 2018 will die Telekom alle ihre Netze auf All-IP umstellen. Das bedeutet das Aus für ISDN, Telefonie und klassische TK-Anlagen. Unsere FAQ zeigt, worauf Unternehmen und Anwender achten müssen und was auf sie zukommt.
Mit der All-IP-Umstellung sind die Tage der klassischen Telefonie gezählt.
Mit der All-IP-Umstellung sind die Tage der klassischen Telefonie gezählt.
Foto: Evernine

1. Die Telekom will unseren Anschluss auf IP umstellen, was müssen wir tun?

Jeder Geschäftskunde sollte sehr genau für sich klären, was der Wegfall konkret bedeutet. Sprich, zu was genau wird der Anschluss genutzt und vor allem mit was. Mitnichten ist ein ISDN-Anschluss nur ein reiner Telefonanschluss, er wird häufig auch zur Datenübertragung und für andere Anwendungen wie SMS, Datex-P, Dreierkonferenzen, Vermitteln im Amt etc. genutzt und nicht nur für die reine Telefonie.

2. Was bedeutet die IP-Umstellung für mein Unternehmen?

Je nach individueller Abhängigkeit kommen eventuell elementare Änderungen auf Sie zu. In der Regel geht es dabei um eine TK-Anlage, die man gerne weiter nutzen möchte. Oder aber man sucht sich gleich eine Alternative (Cloud-Telefonie) zum klassischen TK-Anlagen-Modell. Die mit der IP-Umstellung verbundenen Änderungen sind im Grunde alle gleich: Sie müssen einen Anbieter suchen, Rufnummern portieren, den Wegfall der klassischen ISDN-Funktionen prüfen. Mit dem Wegfall das ISDN-Anschlusses fallen nicht nur die originären ISDN-Funktionen weg - beim Wechsel zu einem anderen Anbieter als der Telekom entfällt auch die Verpflichtung, Call-by-Call und Preselection nutzen zu können. Die Telekom muss diese Möglichkeit auch bei weiteren Telefonanschlussformen aufgrund von Regulierungsauflagen anbieten, was einen nicht unerheblichen Aufwand in der neuen VoIP-Welt erzeugt.

3. Wer bezahlt die Kosten der Umstellung? Die Telekom? Schließlich ist es eine Zwangsumstellung - und unsere TK-Hardware läuft noch ohne Probleme.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung handelt es sich bei der All-IP-Umstellung um keine "Zwangsumstellung". Vielmehr beendet ein Vertragspartner - in diesem Fall der Anbieter - den mit dem Kunden bestehenden Vertrag. Jeder Kunde kann dann versuchen, einen anderen Anbieter zu finden. Leider sind die Angebote, einen klassischen ISDN-Anschluss zu erhalten, der alles offeriert was auch die Telekom angeboten hat, sehr überschaubar. Wenn es nicht gar unmöglich ist, entsprechende Offerten zu finden, denn Call-by-Call und Preselection musste nur die Telekom anbieten.

4. Was passiert nach der IP-Umstellung mit meiner TK-Anlage?

Statt eine eigene TK-anlage zu betreiben, kann die Telefonie als Service auch aus der Cloud bezogen werden.
Statt eine eigene TK-anlage zu betreiben, kann die Telefonie als Service auch aus der Cloud bezogen werden.
Foto: envia TEL

Das hängt davon ab, wofür Sie sich entscheiden. Ersetzen Sie Ihre bisherige Installation durch die Cloud-Telefonie, dann fällt Ihre alte TK-Anlage ersatzlos weg. Oder aber Sie können ihre Anlage (sofern diese das unterstützt) bei einem SIP-Trunk-Anbieter anschalten. So nutzen Sie die vorhandene Anlage weiter, allerdings fallen aus ISDN-Zeiten gewohnte Funktionen weg. Ist Ihre Anlage nicht SIP-fähig, besteht - abhängig vom Anbieter - die Möglichkeit, die Anlage über ein sogenanntes Media-Gateway anzuschliessen. Dieses bietet einen ISDN-Anschluss, der auf einen SIP Trunk umgesetzt wird. Nachteil ist, dass dieser ISDN-Anschluss auch nicht alle klassischen ISDN-Funktionen bietet. Beim Umstieg auf eine Telefonanlage in der Cloud bleiben klassische ISDN-Features wie "Halten", "Makeln", "Transfer", "Vermitteln" oder "Besetzt" erhalten.

5. Wir haben in der Firma viele schnurlose DECT-Telefone. Können wir diese weiterverwenden?

Dies ist abhängig davon, welches Konstrukt Sie wählen. Grundsätzlich bieten Cloud-Lösungen die Möglichkeit, die DECT-Telefone via Adapter zu integrieren.

Inhalt dieses Artikels

 

CAD-Robert

Wir haben diese Umstellung nun einige Zeit hinter uns und können folgendes zusammenfassen:
- Das Telefonieren (Verbindungsaufbau) ist erheblich langsamer als bei ISDN geworden. Eine Verbindung nach Südostasien stand mit ISDN bei der Eingabe der letzten Zahl! Jetzt geht ein Ortsgespräch (!) von VOIP zu ISDN mehrere Sekunden und VOIP zu VOIP nochmal länger und somit zwischen 3-10 Sekunden länger als z.B. nach früher mit ISDN nach Malaysia.
- Das Internet ist erwartungsgemäß erheblich schneller geworden.
- Die DSL-Synchronisation (nach dem Einschalten / Stromausfall) ist bei VDSL erheblich schneller als beim alten ADSL
- Die ISDN-Telefonanlage wurde am ISDN-So-Ausgang des Routers angeschlossen: ging mit einem So-Port problemlos.
- Nach einiger Zeit jedoch wurde diese dann durch was moderners ersetzt.
- Die Sprachqualität ist genial gut: ein echter Vorteil.

Fazit:
- Der Hauptvorteil liegt in der Kostenersparnis bei der TELEKOM
- Die TELEKOM hat nun einen erheblich niedrigeren Stromverbrauch
- Die Geheimdienste müssen nun nicht mehr mühsam in die alten Verteilerkästen reinkriechen: einfach und bequem per Mausklick einen Port spiegeln und schwupp - ist der Datenstrom auf eine andere IP-Adresse gespiegelt. Genial! Das hat was.
- Die Sicherheit der alten ISDN-(Punkt-zu-Punkt) Technik ist weg: Wer früher eine CNC-/Produktions-Maschine mit Fernwartung pflegen musste, wusste durch das "Call-Back-Verfahren", dass man ziemlich sicher relativ alleine in der Leitung ist. Heute kann man da nur noch hoffen. Keine wirklich beruhigende Situation.

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