Carsten Eickert antwortet

FAQ zum Thema Smart Grid

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit Carsten Eickert, Director Business Development New Business Segments bei Alcatel-Lucent, diskutierte CW-Redakteur Jürgen Hill über Smart Grids.
Sind Smart Grids die intelligenten Stromnetze der Zukunft?
Sind Smart Grids die intelligenten Stromnetze der Zukunft?
Foto: Alcatel-Lucent

CW: Derzeit schwärmen TK-, IT-, und Energiebranche von Smart Grids als der Zukunftstechnik. Doch jeder scheint etwas anderes darunter zu verstehen. Was sind nun Smart Grids?

EICKERT: Smart Grids sind ein Ansatz, um mehr Intelligenz in das Stromnetz zu bringen. Warum wir mehr Intelligenz im Netz benötigen, lässt sich mit einem Blick zurück erklären. In der Vergangenheit erzeugten wir den Strom in Großkraftwerken, und die Produktion folgte dem Bedarf. Wenn es dunkel wurde und das Licht eingeschaltet wurde, fuhren wir die Produktion hoch.

CW: D'accord, aber was ändert sich nun?

EICKERT: Mit Blick auf die Klimaschutzziele setzen wir verstärkt auf erneuerbare Energien, die in Kleinkraftwerken erzeugt werden, und wie das Beispiel Windkraft zeigt, nicht immer rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Hieraus ergibt sich nun ein zweifacher Paradigmenwechsel: Wir müssen eine dezentrale Stromerzeugung managen, und gleichzeitig muss der Verbrauch der Stromerzeugung folgen. Oder wir müssen die gewonnene Energie zwischenspeichern, falls sie momentan nicht benötigt wird.

CW: Das machen wir ja schon heute mit Pumpspeicher-Seen. Wo liegt das Problem?

EICKERT: Wir machen es sehr ineffizient, denn es gibt de facto kaum eine Kommunikation zwischen Energieerzeugung und Verbraucher sowie Speicher. Hierzu benötigen wir intelligente Netze, die Smart Grids. Diese steuern dann den Energiefluss transparent zwischen Erzeuger, Speicher und Verbraucher.

CW: Warum geht das mit den heutigen Stromnetzen nicht?

EICKERT: In den heutigen Verteilnetzen haben Sie null Kommunikation. Selbst im Niederspannungsbereich (380 Volt) gibt es hierzulande zwischen den rund 500.000 Trafostationen kaum eine Kommunikation.

CW: Und das soll sich mit Smart Grids ändern?

EICKERT: Ja. Sie müssen sich Smart Grids als Netze im Stromnetz vorstellen. Die Modellvorstellung lehnt sich sehr stark an das Internet an. Wie dort wird es auch bei den Smart Grids Subnetze geben, die so genannten Micro Smart Grids. Und wie beim Internet, das einen Atomschlag überleben sollte, werden auch bei Smart Grids Themen wie die Selbstheilung des Netzes diskutiert.