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"Project Spartan"

Facebook will Apple mit HTML5 angreifen

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Unter dem Codenamen "Project Spartan" arbeitet Facebook offenbar an einer vollen Breitseite gegen Apple und seinen App Store für iPhone und iPad.

Der für gewöhnlich gut informierte Branchendienst "TechCrunch" berichtet, Facebook entwickle mit "Project Spartan" eine neue Plattform auf Basis von HTML5, die zunächst ganz explizit auf den mobilen Safari-Browser von Apples iOS abziele (später soll auch Android adressiert werden; das sollte nicht weiter schwer sein, da dessen Browser auf der gleichen Rendering-Engine WebKit basiert wie Safari).

Facebook will mit "Project Spartan" offenbar einen Weg finden, Apples Vormachtstellung bei der Distribution mobiler Anwendungen vermittels Apples eigener Geräte zu brechen - und dort bietet sich der Browser als genau der Bereich von iPhone und iPad an, den Facebook größtenteils selbst kontrollieren kann. Laut "TechCrunch" arbeiten bereits rund 80 externe Entwickler mit an "Project Spartan" und entwickeln dafür HTML5-Apps. Unter anderem Zynga ("Farmville", "Mafia Wars", "Cityville") und die "Huffington Post" sollen mit im Boot sein. Die "Spartan"-Apps sollen demnach bereits in einigen Wochen fertig und kurz danach ausgerollt werden.

Die Entwicklung an "Project Spartan" laufe schon seit Monaten, heißt es weiter; eine offizielle Bestätigung von Facebook gab es dazu verständlicherweise nicht. Facebooks Plattform biete die Möglichkeit, externe Apps in eine Art "Wrapper" mit grundlegenden Facebook-Funktionen zu verpacken. Das Soziale Netzwerk mit derzeit rund 700 Millionen Nutzern will offenbar auch die interne Währung "Facebook Credits" stärker ins Spiel bringen, um darüber App-Verkäufe und In-app-purchases abzuwickeln - eine wichtige Voraussetzung für Social-Games-Anbieter wie Zynga.

Auf Games-Entwickler macht Facebook dem Vernehmen nach schon seit geraumer Zeit Druck, stärker auf den entstehenden Web-Standard HTML5 als auf das bisher noch dominierende Flash von Adobe zu setzen. Damit dürfte neben dem Hauptziel Apple auch Flash-Hersteller Adobe Systems unter "Project Spartan" leiden - vorausgesetzt dieses wird ein Erfolg.

Jedenfalls will Facebook versuchen, den App Store von Apple zu verdrängen und selbst zum Distributionsmodell für Spiele und anderen Apps zu werden. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum sich Apple in iOS5 für Twitter als Single-Sign-On-Partner entschieden hat. Es wurde bereits vielfach vermutet, dass hier eigentlich Facebook der bevorzugte Partner hätte werden sollen, dann aber geschasst wurde - oder das von sich aus abgeblasen hat.