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EU-Kartellverfahren: Ballmer verhandelt mit Monti

17.03.2004

Nachdem am Montag aus EU-Kreisen zu hören war, dass Microsoft zu einer Bußgeldzahlung von 200 Millionen Euro vergattert werden soll (Computerwoche.de berichtete), hat Geschäftsführer Steve Ballmer erneut Verhandlungen mit Wettbewerbskommissar Mario Monti aufgenommen. Erste Gespräche fanden gestern statt und sollen heute entweder persönlich oder per Telefon fortgeführt werden, heißt es in Brüssel. Details wurden bislang jedoch nicht bekannt. Beobachter erwarten, dass die Kommission neben der Strafzahlung Microsoft verpflichtet, in Europa eine Windows-Version ohne integrierten Media Player anzubieten. Außerdem soll der Konzern Teile des Quellcodes offen legen, um Drittherstellern eine bessere Integration von Server-Produkten und Middleware zu ermöglichen.

Ungemach droht Microsoft auch im US-Bundesstaat Minnesota. Dort wird eine Verbrauchersammelklage gegen den Konzern verhandelt, der laut Klageschrift das Windows-Monopol dazu missbraucht haben soll, um Kunden zu viel Geld für Betriebssystem und Office-Anwendungen abzunehmen. Die Schadensersatzforderung für überhöhte Preise bei insgesamt 9,7 Millionen Softwarelizenzen, die zwischen 1994 und 2001 in Minnesota verkauft wurden, liegt bei 425 Millionen Dollar (Computerwoche.de berichtete).

Microsoft-Anwalt David Tulchin sagte, Konsumenten hätten jederzeit Systeme anderer Hersteller wählen können. Außerdem sei der Preis der Produkte trotz steigender Qualität nicht erhöht worden. Anders sieht das Anklagevertreter Richard Hagstrom. Der Konnzern habe zwischen 1994 und 2001 Wucherpreise für seine Produkte verlangt.

In der Beweisführung zeigte er ein Dokument von 1997. Es belegt, wie Jeffrey Raikes, Group Vice President bei Microsoft, den Geschäftsführer des US-Investmentfirma Berkshire Hathaway Warren Buffet breitschlug, in Microsoft-Aktien zu investieren. Windows sei wie eine Zollstation, die pro PC 45 Dollar abkassiere, so Raikes. Außerdem kündigte der Microsoft-Manager an, im Jahr 2000 den OEM-Lizenzpreis (Original Equipment Manufacturer) des Betriebssystems auf 80 Dollar anzuheben. Hagstrom legte zudem dar, dass die Preise für Microsoft-Produkte gestiegen seien, während Konkurrenzprodukte billiger wurden.

Hagstrom argumentiere falsch, indem er Einzelhandelspreise zu Grunde gelegt habe, erwiderte Microsoft-Anwalt Tulchin. Microsoft erziele den Hauptumsatz jedoch über das OEM-Geschäft. (lex)