Universelle Sync-Plattform

Dropbox hat Großes vor

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Höchste Zeit, die Wahrnehmung von Dropbox als praktischer, aber für die IT lästiger Consumer-Filesharing-Dienst abzuschütteln.

Dropbox veranstaltet in den USA gerade seine erste Entwicklerkonferenz DBX und zeigt dort, dass es weit Größeres vorhat als "nur" Dateien und Ordner in der Cloud. Unter anderem hat Dropbox die neue API (Programmierschnittstelle) "Datastore" präsentiert. Die soll Apps von Drittanbietern in die Lage versetzen, alle möglichen Daten wie zum Beispiel Kontakte, To-Dos oder Spielstände in nahezu Echtzeit über verschiedene Plattformen zu synchronisieren.

Foto: Dropbox

Findige Entwickler (zum Beispiel die des Passwort-Managers "1Password") hätten dergleichen in Vergangenheit zwar schon selbst zusammengehackt, schreibt das Technikblog "The Verge", mit der offiziellen API sollte das aber viel leichter umzusetzen und auch stabiler sein. Die Datastore-API steht zunächst für iOS-, Android- und JavaScript-Entwickler zur Verfügung und bietet auch Offline-Unterstützung. Ein Nutzer kann so beispielsweise im Flieger neue To-Dos in seine App eintippen und diese werden dann synchronisiert, sobald seine Smartphone oder Tablet wieder mit dem Internet verbunden ist. Auch mit Konflikten kann die Datastore-API umgehen und beispielsweise zwei unterschiedliche Kontaktinfos zu ein und derselben Person zusammenführen.

Foto: Dropbox

Ähnliche Services gibt es natürlich längst von anderen Anbietern - Microsoft zum Beispiel versucht iOS-Entwicklern seine "Azure Services" schmackhaft zu machen und Apple selbst hat seine "iCloud" im Angebot, die allerdings immer wieder rumzickt. Dropbox kann aber natürlich auf seine enorme Popularität vertrauen - der Service hat mittlerweile 175 Millionen registrierte Nutzer; acht Monate zuvor waren es erst 100 Millionen.

Foto: Dropbox

Neben der Datastore-API führt Dropbox außerdem neue Features in Form von "Drop-ins" ein. Als erstes gibt es einen "Chooser" und einen "Saver". Damit können Apps die nativen Auswahl- und Speicherdialoge von Dropbox aufrufen, um Daten in der Cloud abzulegen und von dort wieder zu laden. Seine zugekaufte E-Mail-App "Mailbox" für iOS hat Dropbox bereits aktualisiert, um das Handling von Attachments über Chooser und Saver zu erledigen. Mailbox wird damit übrigens zum einzigen E-Mail-Programm für iOS, bei dem man an eine Nachricht etwas anderes als ein Foto anhängen kann. Yahoo hatte diese Funktionalität zuvor schon zusammen mit Dropbox in seinen Webmailer eingebaut, Yahoo Mail für Android wurde nun ebenfalls entsprechend aktualisiert.

Foto: Dropbox

Wohin der Weg für Dropbox geht, scheint damit klar: Der Service möchte in der "Post-PC-Ära", in der mobile Plattformen ihr Dateisystem dem Zugriff des Endnutzers entziehen, zum "spirituellen Nachfolger der Festplatte" werden (so beschrieb es Dropbox-Chef Drew Houston gegenüber "WIRED").